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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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Anders als bei der Betonung des hohen Assimilationsgrads des ungari- schen JudentumswerdenRomnjaundRomastärkerals fremdbegriffen,wenn auch einige von ihnen „gern gesehen“ gewesen seien. Sowirdunterschieden zwischen „willkommenen“ reisendenKünstlern und „hoch angesehenenund stattlichvergoltenen“„Zigeuner-Musikern“einerseitsund„umherwanderndenZi- geunern“ andererseits. BirgaMeyer (2018)weist darauf hin, dass zwar einerseits die Fotos vonarbeitendenRomnjaundRomadasVorurteil konterkarieren, diese seien ‚arbeitsscheu‘. Andererseitswürdenvorallem imausführlicherenTextüber die Romnja und Roma im ersten Raum Stereotype bedient werden, wenn es in Bezug auf die Romaheißt: „they clung to their nomadicway of life and per- manently lived in tribal, clannishcircumstances“.AufFotografiensindsiemit schmutziger Kleidung, amBoden sitzend,mit ungekämmtenundärmlich be- kleidetenKindernrepräsentiert–eineethnographischeIkonographiealsschmut- zige Andere. Dies ändert sich jedoch in Zusammenhangmit der Verfolgung, wennLäuseundSeuchenalsFolgenderKZausgewiesenwerden. Während in der Ausstellung Fotos von Jüdinnen und Juden teilweise mit Angabeder genauenAdresse lokalisiertwerden, steht bei einemderBilder auf derRoma-Tafel:„Romawomenwanderingandbeggingsomewhere inHungary, 1910s“ –nicht etwa, dass nicht bekannt sei,wo genauund vonwemdas Foto aufgenommenwordenwar.Dieshateinerseitsselbstredendetwasmitderhisto- rischenLebensweiseeinesTeilsderRoma-Bevölkerungzutun.Andererseitshat es auch Tradition, Roma und Romnija als außerhalb der Städte, Märkte und Dörfer und somit außerhalb der Gesellschaft darzustellen bzw. abzulichten, in anonymenLandschaftenumherwandernd. (Holzer 2008, 48; Baumgartner und Kovács2007, 19)AufdiesemFoto ‚irgendwo‘ inUngarn rauchteineFrauPfeife. Dies ist ebenfalls ein beliebtesMotiv der ‚Zigeunerfotografie‘: meist werden als MatriarchinnendargestellteWahrsagerinnenPfeiferauchendabgelichtet. (Baum- gartnerundKovács2007, 21)AufSeite 53von79 istdann imGuideerstmalsvon „HungarianGypsies“dieRede;bisdahin fandsichkeinHinweisdarauf,dassdie AusstellungsmacherInnenauchimFallderRomnjaundRomadarumbemühtge- wesenwären, siealsTeilderungarischenNationdarzustellen.DieseDarstellung derRomnjaundRomaalsAnderebzw.Fremdehängt zweifelsohnemitdenstar- ken antiziganistischen Kontinuitäten nach 1945 in Ungarn und Europa zusam- men– sowiemit dempogromartigenAntiziganismus in denpostsozialistischen LändernnachderWende. (LiendoEspinoza2014) Dass es auchanders geht, zeigt eineAusstellung, die imGegensatz zuden drei gerade besprochenenausschließlich demGenozid andenSinti undRoma gewidmet ist. Sie gehört zwarnicht zudenhier systematischuntersuchtenMu- seen, soll jedoch aufgrund ihres bewusstenUmgangsmit der Problematik ste- reotyperDarstellungzumAbschlussdiesesKapitels kurzumrissenwerden.Die 4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 141
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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