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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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Roma als rassistischemMassenmord. Die Rede vom „Roma-Holocaust“war als Strategie der Bürgerrechtsbewegung sicherlichhilfreich, ummehrAufmerksam- keit für die langemarginalisierte Gruppe zu erhalten. In derwissenschaftlichen Analyse sollten, neben der im ZweitenWeltkrieg vielfach verflochtenen Verfol- gungsgeschichtender beidenGruppen, aber auchdie spezifischenUrsprünge undpathischenProjektionen, diedenAntiziganismusvomAntisemitismus (und Rassismus) unterscheiden103 jenseits von Opferkonkurrenzen und -hierarchien präzise bestimmt werden. Auch könnte der Begriff ‚Porajmos‘ für den Genozid anddenRomnjaundRomastärker als Begriff etabliertwerden, der die Spezifik antiziganistischer Projektionen, derVerbrechenundKontinuitätennach 1945 in denBlicknimmtundnichteinfachals ‚Roma-Holocaust‘begriffenwird. (Han- cock2006) DieMuseender zweitenGruppe,die imFolgendenanalysiertwerden, klam- mernRomnjaundRomawiebereitserwähnt in ihrenDauerausstellungen inden 2000er Jahren imWesentlichenvollständigaus.104Diesänderte sichbeim litaui- 103Während der Vorläufer desmodernenAntisemitismus in der christlich-antijudaistischen Vorstellungzusuchen ist, ‚die Juden‘seien für Jesus’Todverantwortlich,galten ‚dieZigeuner‘ als ‚schlechte‘ oder ‚böse‘ Christen, die z.B. einer antiziganistischenVorstellung zufolge der HeiligenFamilie dieHerberge verweigert hätten. (Neuburger 2015, 64)Anders als imkolonia- lenRassismus,derseinObjektalsnaturhaftesWesenimmereinembestimmtenOrtzuweist, ist dasantiziganistischeBildzentralbestimmtdurchdieVorstellungderHeimatlosigkeit. ImRas- sismus dominiert das projektive Bild eines arbeitsscheuenNaturwesens, das unmittelbar von der fruchtbarenNatur des globalen Südens von derHand in denMund lebe. Antisemitismus und Antiziganismus sind hingegen beide mit einer Verschwörungstheorie gekoppelt, beide Gruppen werden als ‚arbeitsscheue Parasiten‘ in der eigenen Kultur vorgestellt, aber unter- schiedlich: ‚DerJude‘ lebevonderschweißtreibendenArbeitanderer, ‚derZigeuner‘unterlaufe hingegendenProzessderZivilisation. ‚DerSchwarze‘eignesichdieFrüchtederNaturan,der ‚Zigeuner‘ hinterlistig die Früchte der Arbeit anderer, jene ‚Dinge, die schon einen Besitzer haben‘. Antisemitismus ist ein ideologischesWelterklärungsprogramm, ‚der Jude‘wirdalsne- gativeAutorität angesichts unbegriffener abstakter Herrschaftsverhältnisse in der bürgerlich- kapitalistischenGesellschaft, als Inkarnation derModerne imaginiert. Die Idee von einer ‚zi- geunerischen‘VerschwörungverbleibthingegenaufderEbenevonAlltagundLebenswelt. Sie istkeineabstrakteVerschwörung, sonderndieVorstellungvonüberall verbreiteterKleinkrimi- nalität, deren ProponentInnen nicht als Verkörperung eines abstrakten Prinzips erscheinen, sondernalsallgegenwärtige, leibhaftePlage. (Neuburger2015,66) 104 Einzig im deutschsprachigen Führer des Museums der Okkupation Lettlands heißt es: „Gleich nach der Besetzung waren Juden und Roma als ‚rassisch absolut minderwertig‘ der Vernichtung preisgegeben und umgebracht worden.“ (Nollendorfs 2010, 58) Roma werden dort auch einmal im Zusammenhangmit demArājs-Kommando und seiner „systematischen Vernichtungvon JudenundRomazunächst inRigaundspäter inganzLettland“ (Nollendorfs 2010, 55) erwähnt, von2.000Roma-Opfern isthierdieRede. Im lettisch-englischenFühreraus 4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 145
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Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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