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dieWände und den Boden sind hinter Glas einige Gegenstände eingelassen,
meist namentlich zugeordnete Kämme, ein Kompass, ein Zigarettenetui, ein
Feuerzeug, Siegelringe, ein Gebetsbuch und liturgische Fotos, von einer Ku-
rierin gesammelte PartisanInnenfotos usw. In diesem Abschnitt fungiert die
Baum-Wandtapete alsHintergrund für TexteundFotografienbzw.wieder die
Glaswandmit den Texten und Fotos als Vordergrund vor den Objekten. Im
letztenRaumimErdgeschosswerdenZeichnungenderWaldbrüdergezeigt.106
EkaterinaMakhotinasausführlicherAnalysediesesAusstellungteilszufolge
lassen [sie] auf die verbreiteten antisemitischen Stereotype unter den Kämpfern schlie-
ßen.DieKarikaturenbebildernbesondersdasStereotypvom„jüdischenBolschewismus“:
Sie zeigen sowjetischeFunktionäre, die von jüdischerHandernährt undgeleitetwerden,
dieDarstellungder Judenstützt sichauf antisemitischeKörperklischees.DieKarikaturen
sind in der Ausstellungweder kritisch kommentiert nochwird die nationalistische und
antisemitischeWeltanschauungderWaldbrüderoffenthematisiert.
(Makhotina2017,318)
EinBeispiel istdieNachkriegskarikatureinessowjetischenJeepsmitLenin,Stalin
und ‚the Jew Yankl‘, ohne Kommentar über den antisemitischen Inhalt. (Katz
2009, 265) Verbrechen der Waldbrüder gegen die Zivilbevölkerung werden an
einerStelleangedeutet:„Theheadsofpartisanunitsdemanded that the fighters
submit tomilitarydisciplineandconformtoethicalnorms,and ineverypossible
way tried to stopdisorder andexcess.However, someviolenceagainst the civil-
ian population occurred, as happens in any war.“ (Rudienė und Juozevičiūtė
2006a, 36)WelcheVerbrechendieeigeneWir-Gruppehieranwemgenau,wann
undwarumbegangenhat,wirdnicht einmal angedeutet,weder imGuide noch
beidergleichlautendenFormulierunginderAusstellung.107
Im ersten Stock werden die Themen „Lithuanian civilians in Soviet prisons
andlabourcamps1944–1956“,„Deportations1944–1953“,„Thepopularresistance
1954–1991“, „The KGB, 1954–1991“ sowie „The eavesdropping room“ behandelt.
(Rudienėund Juozevičiūtė 2006a, 51) Eswerdenbereits ausdemErdgeschossbe-
kannte gestalterischeMittel eingesetzt, aber auch lebensgroßeFotos derVerfolg-
106 ImGuidedominierenunterden149historischenFotografien48AbbildungenzumThema
PartisanInnenkampf, bei 30werdendie gezeigtenPartisanInnennamentlichbezeichnet. Zwei
dieserFotoszeigenLeichen,eineseinenPartisanenmiteinemverletztenFuß(auchinderAus-
stellung,Raum3),ansonstenwerdennurheldenhafteKämpferInnengezeigt.
107 ZudenvonPartisanInnenbegangenenMordenschreibtMakhotina:„DieSowjetmachtbe-
kämpftediePartisanenbewegungdurcheineerneuteDeportationswelleunddurchdieAnwer-
bung von Agenten in den Reihen der Partisanen. In der hieraus resultierenden Atmosphäre
desGeneralverdachts kames zugroßflächigenStrafaktionen seitens der Partisanennicht nur
gegen Dorfvorsitzende sondern auch gegen ‚einfache‘Dörfler, die als ‚sowjetische Agenten‘
verdächtigtwurdenoder indieKolchosenintegriertwordenwaren.“ (Makhotina2017,320)
4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 149
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Titel
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Untertitel
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Autor
- Ljiljana Radonić
- Verlag
- DE GRUYTER
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 338
- Schlagwörter
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918