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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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genüber der estnischen Zeitung Postimees über die Entstehung des Museums: „WhentheKistler familysaid that theywantedtodosomethinggoodforEstonia, I immediately thoughtofamuseum.“ (Kaas 2002)DasNarrativ istunverkennbar geprägt vonExilerfahrungennachder Flucht vor sowjetischerRepression.Auch derGründungsdirektorHeikiAhonen ist ein ehemaligerDissident,dermehrfach von den sowjetischen Behörden verhaftet und schließlich 1988 nach Schweden verbanntwurde,woerdasReliefCommittee forEstonianPoliticalPrisonersgrün- dete.Erarbeiteteab1989 fürdasestnischeRadioFreeEurope, biser 1998Vorsit- zenderderKistler-Ritso-Stiftungwurde. (Ahonen2005,299) DasMuseumwarzunächstausschließlichprivat finanziert,hatteabervon Anfang an starke Verbindungen zum politischen Establishment in Estland. Später wurden zwei Drittel der laufenden Kosten vom Kulturministerium fi- nanziert. (Velmet 2011, 191) Bei der Grundsteinlegung für das Museum 2002 waren der Zeitung Postimees zufolge der ehemalige Staatspräsident Lennart Meri,derehemaligePremierministerundVorsitzendederPartei IsamaliitMart Laar, derVize-VorsitzendedesParlaments TunneKelam, die Staatssekretärin Aino Lepik vonWirénundder Stadtsekretär von Tallinn Toomas Sepp anwe- send. (Kaas 2002) Der von 1992–2001 amtierende langjährige Präsident Est- lands, LennartMeri,war 1941mit seiner gesamtenFamilie imAlter von zwölf JahrennachSibirien verschicktwordenunddurftewährendderSowjetäranicht inseinemBerufalsHistorikerarbeiten. (Radonić 2017, 273) InseinerRede führte eraus,dasMuseumspreche über all jene, die das Licht des freienEstlands gesehenhabenund für dieses das eigene Leben und die eigene Freiheit opferten, es spricht von all jenen, die in Sibirienwaren, dortgebliebensind,vondortZurückgekehrten,essprichtvonall jenen,dievordemTota- litarismus indenWesten flüchteten, aberdas eigeneHerz inEstland ließen, inderÜber- zeugung,dasssiewiederzurückkommen. (Kalamees2002) Auch bei der Museumseröffnungwar die gesamte politische Elite des Landes anwesend, jedochweder der deutsche noch der russische Botschafter, wie Di- rektor Ahonen (2005, 114) betonte. Nach den Eröffnungsreden durchschnitten schließlichPremier JuhanPartsvonderkonservativ-liberalenParteiResPublica und Olga Kistler-Ritso anstatt eines Bandes ein Stück Stacheldraht. (Estonian Government InformationOffice2003) DieMuseumseröffnungsowiedieEinweihungeinesDenkmals fürdie ‚Wald- brüder‘ imNordosten Estlands veranlassten den russischenAußenminister Ser- gey Lavrov zu einer scharfen Stellungnahme, die denUmgangRusslandsmit demThema sowjetische Besatzung der baltischen Länder schlagend vor Augen führtunddeshalbhierals längeresZitatPlatz findet: 160 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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