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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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Jewish question andwe just simply don’t have anyphysical items from these peoplewhowerekilled.“ (Zit.n.Mark2008,367) ÜberdieSuchenachGegenständenfürdasMuseumberichtetderDirektor: Ich selbst besaß einigeObjekte ausmeinerHaftzeit imArbeitslager, die sich als durchaus würdigerwiesen,aufgehobenundausgestellt zuwerden.WirschaltetenaucheinigeAnzei- gen inZeitungen […].GanzallgemeingesprochenwarenwiraufderSuchenachallem,was als Ausdruck einer vom Totalitarismus geprägten Atmosphäre gewertet werden konnte. Dies umfasste Exponatemit ideologischer Aussagekraft, ein Vorhängeschlossmit Staats- symbolen etwa, Propagandamaterial oder Objekte aus Arbeitslagern und Strafanstalten. DieAnzeigenbrachtenjedochnichtvielein–eswar fürdieZeitungsleserscheinbarschwer vorstellbar,dass jemand ‚Müll‘ sammelt. Inden folgenden JahrenknüpftenwirVerbindun- gen zu verschiedenen Organisationen ehemaliger Verfolgter, und letztendlich war es der persönlicheKontakt,dersichalsdiebesteQuelleerweisensollte. (Ahonen2005, 109) Bei den Organisationen ehemaliger Verfolgter handelte es sich ausschließlich umOpfersowjetischerRepression,ebensowiebeimMuseumsdirektorselbst. Die chronologischangeordnetenSchaukästen enthaltenText einzig inForm vonObjekt-undFotobeschriftungen,diedennicht-estnischenBesucherInnenals übersetzte Exponatenliste mitgegeben werden. Das Narrativ wird hingegen im Audioguide und vor allem inVideos geliefert. In diesenDokumentarfilmen, die in der Ausstellung über die drei Besatzungszeiten gezeigt werden, bestimmt derantisowjetischeKontext,welchenBeweisenBedeutungbeigemessenwird: ImerstenVideoüberdas„rote Jahr“ 1940–1941wird ‚unser‘LeidenaufEmpa- thieweckendeWeise geschildert. Die 1911 geborene TamaraMiljutina etwa be- richtet über ihren Vater: „It was a regime that lied, they never told the truth, never.Theynever came toarresthim,ohno, theycametoofferhima jobat the university and they beggedhim to come.“Terror sei eine zentraleKomponente gewesen. Von der Deportation im Juni 1941 erzählt die 1929 geborene Lea Pal- vadre, eine „Schülerin“: ihrVater sollte abgeholtwerden, aberdannstellte sich heraus, dass auch die ganze Familiemitkommenmusste. Elise hingegen hörte die zu Deportierenden durch die Fenster weinen und singen. 1939 habe noch jeder vordemKriegAngst gehabt, nunwartetendieEstennuraufdendeutsch- sowjetischenKrieg„astheironlywayout“.AufgrunddesHorrorsdes„rotenJah- res“ hatte sich ihre Einstellung zu den Deutschen geändert, so der Historiker EnnTarvel, der für diewissenschaftlicheAufbereitungderAusstellung zustän- digwar (Museumof Occupations o. J.a) und der als Erzähler durch die Doku- mentation führt. Die sowjetischen Geschichtsmythenwerden in diesem ersten Teilüberzeugendwiderlegt. Im zweiten Teil über dieNS-BesatzungwerdenhingegenAusschnitte aus der NS-Propaganda über den „roten Terror“ und „bolschewistische Angriffe“ imdeutschenO-Ton eingespielt, ohne auf offenkundige Lügenwie angeblich 4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 165
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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