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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Seite - 167 -
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lights thenightbefore.Thenextday Iwent toseewhatwasgoingonbecause therewasa pervasivesmellofburntmeat. Itextendedforkilometers.Thepicture that Isawwasextre- melymorbid. Werangeblich fälschlicherweisevoneinemTodeslager sprach,woesdoch ‚nur‘ einArbeitslager gewesen sein soll, erfahrenwir nicht. Die regelmäßigen Selek- tionen, todbringendenKrankheiten undHungerrationen imKZKloogawerden nicht erwähnt.Wir lernen auch nichts darüber, dass in Estland vor demKrieg 0,4ProzentderBevölkerung,also4.434Menschen jüdischwaren. (Weiss-Wendt 2013, 195)Die große sowjetischeDeportationswelle vom15.6.1941, bei der auch 415 Jüdinnenund Juden,also zehnProzentder jüdischenBevölkerungEstlands zwangsverschicktwurden (Salo 2007, 4), erwies sichals lebensrettendeRepres- sionsmaßnahme. ZweiDrittel (Katz 2012, 9) bis dreiViertel (Weiss-Wendt 2009, 48) von ihnen überlebten. Von den rund 1.000 Jüdinnen und Juden, diewäh- rendderNS-BesatzungausAlters-oderKrankheitsgründenzurückblieben,über- lebtenur eineHandvoll. Die JüdischeGemeinde inEstlandbefürwortet darüber hinaus denpräziserenBegriff ‚Holocaust auf demGebiet desNS-besetzten Est- lands‘ (Katz 2012),wasnichtnurdieVernichtungder rund 1.000estnischen Jü- dinnenund Judenbeinhaltet, sondern auch jene von etwa 15.000Deportierten (Mark2008,368)ausTschechien,Deutschland,Litauen,Frankreichundvonan- derswoindenKonzentrationslagernundMassenexekutionsstätten. Wirerfahrenauchnichtsüberdie1941nochinEstlandlebenden743Romnja undRoma,vondenenbis 1944diemeistenermordetwurden.Vorallem ‚Umher- ziehende‘warenzuBeginnvondenNazis verfolgt, dochbis 1943dannauchdie zuvor als sesshaft und produktiv eingestuften. Sie wurden ins Arbeitslager auf demGutHarkuoder ins Tallinner Zentralgefängnis gebracht undvermutlich im WaldgebietKalevi-Liivaexekutiert. (Weiss-Wendt2009, 144–146;Birn2001, 195– 196;Hiio,MaripuuundPaavle2006,XIX) Die imVideovielfachbemühtenehemaligenSchüler erzählenhingegenstolz davon,wie sie endlichals FreiwilligederWehrmachtbeitretendurften.Unmittel- barnachdenAufnahmenderaufgeschichtetenLeichensehenwirFotos fröhlicher estnischer Freiwilliger und der Erzähler erklärt, worin aus Sicht der estnischen Mehrheitsbevölkerung zunächst das Problem bestand: „At the beginning of the war,highandmightygreaterGermanydidn’tneedany reinforcementsof itsmili- tary forces. Estonian volunteers were assigned to patrolling the rear in Russia.“ Schließlichdurften sie danndochauchderWaffen-SSbeitreten, „twoof us from ourvillage“,wieunsEmilAlessmaerzählt. (Radonić2016b, 193) ImGegensatzzur Personenangabe inderDokumentationwar er alsonichtbei der „Germanarmy“, sonderngenauergesagtbeiderWaffen-SS.Daspostsozialistische,antikommunis- tischeNarrativ ist hier so prägend, dass in einer Ausstellung von 2003, also ein JahrbevorEstlandderEUbeitrat,dieMitgliedschaft inderWaffen-SSstolzalsdas 4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 167
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Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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