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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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Museumsgründungbeschlossen. (Blume2008, 37)Wie schon imestnischenFall habendieDirektorin,derenFamilie amEndedesZweitenWeltkriegs indieUSA gingundChemieprofessorin inChicagowurde,bevor sie 2002nachLettlandzu- rückkehrte, unddieHälftederMuseumsmitarbeiterInneneinenExilhintergrund. (Evans2006,342;FritzundWezel2009,238) Daderexil-lettischeGermanistik-ProfessorValtersNollendorfs fürdiemeis- ten Inhalte imMuseumverantwortlich zeichnet, stellt diesesMuseumviele In- formationenauchaufDeutschzurVerfügung, soauchdenMuseumskatalog in den Versionen aus 2010 und 2017. Beide setzen sich auf lehrreicheWeise kri- tischmit dem sowjetischenNarrativ auseinander. Sie stellen Zitate aus einem sowjetischen Geschichtsbuch dem aktuellen Stand der Forschung gegenüber. Auchwidmet sichderKatalogausführlichFragenderTerminologie:DerBegriff „Totalitarismus“wird ebenso hinterfragt (Nollendorfs 2010, 37) wie die Frage, ob die Verbrechen der Sowjets gegen die LettInnen als Genozid bezeichnet werdenkönnen.Die kurzeAntwort lautet: hängt vonderDefinition ab– eine „strenge Definition“ ließe sich im ZweitenWeltkrieg nur auf den Holocaust anwenden, eine breitewürde auchdie sowjetischePolitik einschließen. (Nol- lendorfs 2010,87; vgl.Radonić 2018c, 518)AuchdieRolledesDiktatorsUlma- nis inderZwischenkriegszeit unddann1940wirdhier inall ihrerAmbivalenz ausführlichbeleuchtet,währendsich inderenglischenVersionaus2008nurwe- nige, vor allempositiveBezüge fanden.GrauzonenwiederKampf vonLetten gegenLettenwerdenebenfallsausgeleuchtet: In den Kurland-Schlachtenwährend der Endphase des Krieges wurden häufig lettische Soldaten der Roten Armee gegen die Verteidigungsstellungen der Lettischen Legion in denKampf geworfen.Nicht selten standen sichhierVater undSohn, Bruder undBruder gegenüber.EsgabsogarSoldaten,dieaufbeidenSeitenderFrontgekämpfthatten. (Nol- lendorfs2010,67)120 120 ImGegensatz zumKatalog schlägt sich die Ausstellung hier doch eindeutig auf die NS- Seite: „NachdenKämpfenbei Riga befestigten sich die deutschenTruppenunddie 19. Letti- scheDivision der Lettischen Legion in Kurzeme (Kurland). […] Die Rote Armee bricht in Ost- preußen ein, aber Kurzemebleibt unbesetzt. DieVerteidiger vonKurzemehalten sechs große Angriffeaus,biszurKapitulationDeutschlandsam8.Mai1945. InKämpfen,diesiebenMonate langedauern, fallen inKurzemeetwa3 500 lettischeLegionärebei derVerteidigungder ‚Fes- tungKurzeme‘, in der 230000Einwohner undmehr als 150000Flüchtlinge leben. […] Nach derKapitulationDeutschlandsbleiben14000lettischeKämpfer inKurzeme inGefangenschaft derRotenArmee.“DerKampf in verschiedenen fremdenArmeen,wie es imKatalog aus 2010 heißt,war inderAusstellungaus1998nochalsdieheldenhafteVerteidigungvonFlüchtlingen ander Seite derNazis dargestellt. Dass es sichhierbei umeinendeutschenBrückenkopfhan- delte,derumdieHeeresgruppeNordrund500.000SoldatenallerTeilstreitkräftebandundauf BefehlHitlersdiesenum jedenPreishalten sollte,wirdhier als lettischeHeldengeschichte er- 172 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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