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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Seite - 173 -
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KollaborationmitbeidenSeitenwirdhierausführlichdiskutiert: VieleKollaborateure rechtfertigendieZusammenarbeitmit derBesatzungsmacht alsTätig- keit zugunstender einheimischenBevölkerung,umSchlimmeresnachMöglichkeit zuver- hindern.Damit versuchten viele in Lettland ihrHandeln zu rechtfertigen, die ab 1940mit densowjetischenMachthabern, aber auchviele, die spätermit dennationalsozialistischen Besatzern zusammengearbeitet hatten. Zu Beginn der sowjetischenHerrschaftwaren sich dieKollaborateurenichtüberdenCharakterdesRegimes imklaren,beidemsieselbst spä- ter inUngnade fielen.Der in einem Jahrunter sowjetischerBesatzung erlebte Terrorhatte dieBereitschaft zurKollaboration inder Zeit der deutschenBesatzungbegünstigt,wasdie Nationalsozialistenschamlosfür ihreZweckeausnutzten. (Nollendorfs2010,61) Der Zulauf zum Sozialismus seit dem 19. Jahrhundert wird erklärt, die Men- schennichtdämonisiert: NebendennationalenBestrebungenbetrachtetendierussischeRegierungundderprivile- gierte deutschbaltischeAdel auchdieVerbreitungder sozialistischen Ideen, dieLettland gegenEndedesneunzehnten Jahrhunderts erreichten,alsBedrohung.VieleLettensahen imSozialismuseineandersgearteteMöglichkeit, sichausderwirtschaftlichenundpoliti- schenAbhängigkeitzubefreien. (Nollendorfs2010,9)121 Diese Diskussion schwieriger und strittiger Fragen erinnert im besten Sinn an dasHolocaust-GedenkzentruminBudapest. Auch dieses Museum der Okkupation Lettlands beginnt jedoch, wie alle MuseendieserGruppe, inder1998fertiggestelltenDauerausstellungmitderGe- genüberstellung von Nationalsozialismus und Stalinismus, in diesem Fall in FormvonriesigenPorträtsvonHitlerundStalin. ImZentrumdesMuseumsnar- rativs steht das Leidenunter ‚fremdenMächten‘und ‚fremdenKriegen‘. Gleich imVorwortdesKatalogsheißtes,Lettland fiel der Machtgier zweier totalitärer Großmächte zumOpfer. Dies ist die Geschichte der dreifachenOkkupation Lettlands durchdie kommunistische Sowjetunionunddasnatio- zählt. ImGegensatzdazu findet sich imGuidedieBehauptungnicht, Kurland sei „unbesetzt“ gebliebenodereshabesichum„Verteidiger“gehalten. 121 DieFrage lettischerTäterschaft inderKPwird später jedochunterderÜberschrift„Letten und angebliche Letten in der Kommunistischen Partei Lettlands“ verhandelt und somit die Verantwortlichen als Schein-Letten aus dem eigenen Kollektiv herausdividiert: „Obwohl der Partei auspolitischenbzw.ausKarrieregründenneueMitgliederbeitraten,bestandsie imJahr 1940 hauptsächlich aus Militärangehörigen der UdSSR. Zahlreiche führende Mitglieder der LKPwarennurbedingtalsLettenanzusehen.SiehattenzwischendenWeltkriegen inRußland gelebt, hatten die stalinschen Säuberungen überstanden undwaren so hörig undwillfährig geworden.Siebeherrschtendie lettischeSprachekaum,und ihre Interessenwareneher russi- scheals lettische.EineganzeReihederErstenSekretäredesZentralkomiteesderLKP(höchstes Parteiamt)warensolcherussifiziertenLetten. (Nollendorfs2010,102) 4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 173
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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