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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Seite - 177 -
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vorgestellt.123 ImVergleichdazuundauch imVergleichzurausführlichenBe- handlung der Sowjet-KollaborateurInnen fallen die Ausführungen über ein- heimischeNS-KollaborateurInnenknappaus. „DieDeutschen“hätten erstens „Selbstschutzeinheiten“ausderehemaligenlettischenPolizeiunddenStreitkräf- ten gebildet, die „auch zur Durchführung der ersten wichtigen Aufgaben der nationalsozialistischen Besatzungspolitik herangezogen [wurden] – Verhaftung und Liquidierung von zurückgebliebenen Funktionsträgern der kommunisti- schenMachthaber.SiehattennachBedarfauchanvondenNazisorganisierten und vonEinsatzgruppendes SDgeführtenVernichtungsaktionen jüdischer Ein- wohner teilzunehmen.“ (Nollendorfs 2010, 53) Die Ausstellung gibt dafür diese Erklärung:„ZahlreicheMänner tretenein inderHoffnungaufWiederherstellung der lettischenArmeeunddesStaates.“Die ‚Selbstschutzeinheiten‘wurdenspäter inpolizeiähnliche ‚Schutzmannschaften‘umgewandelt,die nichtnur fürOrdnungundSicherheit imLandsorgensollten, sondernauchgegensowje- tischePartisanensowieanderFront eingesetztwurden.Angesichtsdesgeradeerstüber- standenen sowjetischen Terrors waren viele bereit, gegen den Kommunismus als das momentan größere Übel zu kämpfen. Deshalb meldeten sich zunächst Freiwillige für diese Einheiten für eine angeblich begrenzte Dienstzeit. Diesewurde jedoch späterwill- kürlichverlängert,undmitderbloßenFreiwilligkeitwaresbaldvorbei. (Nollendorfs2010,53) DieAusstellungerklärtwieder:„ImHerbst 1941werdendieerstendrei freiwilli- genPolizeibataillone gebildet. AmAnfangdes Jahres 1942wird ‚Freiwilligkeit‘ zu einem leeren Begriff, der gebrauchtwird, um einer AnklagewegenVerstö- ßengegendieHaagerKonventionzuentgehen.“Auchdiespäterdaraushervor- gegangene Lettische SS-Freiwilligenlegion lässt sichmit demHinweis auf die Nicht-Freiwilligkeit einfach behandeln: „Sie bestand nicht aus ‚Freiwilligen,‘ dennetwa85Prozent der Legionärewaren einberufen.“ (Nollendorfs 2010, 63; 2017,86)Dass 15Prozent somitdochFreiwilligewarenund ihreBeteiligungam NS-Feldzugmit dem Verweis auf Einberufung und Zwang nicht ‚erledigt‘ ist, wird nicht weiter thematisiert. Viele aus dem Arājs-Kommando traten später der SS-Legion bei, aber die Legion selbst war heute zugänglichenQuellen zu- folge indenHolocaustundRoma-Genozidnicht involviert. (Gundare2002,18) Die lettischeBeteiligungamHolocaust,vorallemjenedesberüchtigtenmo- bilen Mordkommandos von Viktors Arājs wird sowohl in der Ausstellung bis 123 InderAusstellungheißtes:„DasTerritoriumLettlandswird in6Verwaltungsgebieteunter- gliedert, die jeweils vonGebietskommissarenverwaltetwerden.“DerGuide gehtweiter insDe- tail: „Die vonLohsegeführteBehördemitHauptsitz inRigabestandausvierAbteilungen:dem Zentralamt,derPolitik-,derWirtschafts-undder technischenAbteilung.“ (Nollendorfs2010,57) 4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 177
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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