Seite - 186 - in Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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BeraterindesPremiers inGeschichtsfragen. (Marsovszky2002)129 Inhaltlichsetzte
sich Schmidt für dieHervorhebungder Bedeutungdes christlichenErbes sowie
desNationalismus fürEuropaein:„SospieltederNationalismus im20. Jahrhun-
dert eindeutig einepositiveRolle, dennerbewahrtedieVölker,welchedie tota-
litären Diktaturen der Nationalsozialisten und der Kommunisten zu vernichten
versuchten.“ (Schmidt2011,166).ZuihrenpolitischenAgendengehörtderKampf
gegen denEinfluss der „westeuropäischen so genannten ‚political correctness‘“
(Schmidt2011, 166),alsogegendie„‚politischkorrekt‘denkendenlinkenIntel-
lektuellen“ (Schmidt 2011, 167) und „linksliberale ‚Meinungsbildner‘“ (Schmidt
2006,96). IhreRolle inderOrbán-Regierungseit 2010wirdweiteruntenbeiden
neuestenEntwicklungenerörtert.
Schmidt zufolge erschienen inungarischenMedien indendrei Jahrennach
derMuseumseröffnungüber3.000ZeitungsartikelüberdasMuseum,vondenen
2.800 negativ waren. (Schmidt 2006, 95) Vor der Eröffnung der Ausstellung
warendieDebatten in denMedien auf die Frage fixiert, ob es legitim sei, die
FassadedurchdasAnbringeneinesschwarzenRahmensumdasGebäuderadikal
umzugestalten,während sichdieAndrássyútumdenStatus alsWeltkulturerbe
bewirbt. (MagyarNemzet, 7.1.2002; 9.1.2002; 23.2.2002;Népszabadság, 19.2.2002;
20.2.2002)130 Während in wissenschaftlichen Texten und kritischen Polemiken
überdasHausdesTerrorsaußerZweifelstand,dassessichbeiderEröffnungum
eineWahlveranstaltunghandelte,wurdediesvonder fidesz-nahenZeitungMag-
yar Nemzet bestritten. Sie diffamierte nur die Veranstaltungen der politischen
Gegner als ‚Parteipolitik‘, als ein „mit politischenDemonstrationen ausgefülltes
Wochenende,dessenHöhepunkt einEreigniswar, dasüberder Ebeneder tägli-
chenParteipolitik stand,diewürdevolleEnthüllungdesHausesdesTerrors in
Budapest.“ (Magyar Nemzet, 24.2.2002) Vor der abendlichen Museumseröff-
nungwar die rechtsextremeMIÉP vor der Zentrale der Sozialistischen Partei
aufmarschiert, dem„wirklichenHausdesTerrors“, umsichdannderKundge-
bungvordemMuseumanzuschließen. (Népszabadság, 25.2.2002)Der liberale
Bund Freier Demokraten (SZDSZ) hatte hingegen amnahegelegenenHelden-
platz eine„Abschiedsparty“ fürdie rechteRegierungorganisiertundLuftballons
mit nicht eingehaltenenWahlversprechen der Fidesz aus 1998 hochsteigen las-
sen. (Népszabadság, 25.2.2002) Die Sozialistische Partei versammelte sich nicht
129 SpäterwarSchmidt auchMitglieddeswissenschaftlichenBeirates fürdasHausder euro-
päischenGeschichte,was dasBrüsselerMuseumsprojekt verzögerte, da siemit aller Kraft die
FideszscheSichtaufdieGeschichtedurchsetzenwollte.
130 IchdankeBoglárkaCziglényi fürdieRechercheundÜbersetzungungarischerZeitungsar-
tikel inmeinemAuftrag.
186 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Titel
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Untertitel
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Autor
- Ljiljana Radonić
- Verlag
- DE GRUYTER
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 338
- Schlagwörter
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918