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YadVashem.Positivewie– imestnischenFallgezeigt–negativeBezügebelegen
die ‚UniversalisierungdesHolocaust‘, denHolocaust als Bezugspunkt. (Radonić
2018b, 133) Doch diese ästhetische Anlehnung an internationale Vorbilder sagt
noch nichts darüber aus, welche inhaltlichen Botschaften dasMuseum vermit-
telnwill,wie imFolgendengezeigtwird.
Während alle In-situ-Museen die Geschichte des Ortes in gewissemAusmaß
inszenieren,handeltessichbeidieservomBühnenbildnerAttilaFerenczfyKovács
gestaltetenAusstellung doch umeine außergewöhnlich farbintensive, laute und
überwältigende InszenierungdesTerrors. (Radonić 2018b, 139) Indenbisherana-
lysiertenMuseenwarenNachbauten einer Gulag-Baracke oder eines Schlafsaals
ausdemErstenWeltkriegsowieeindurcheinenengenRaumausHolzangedeute-
tesWaldbrüder-VersteckAusnahmenbei der ansonsten klassischenÄsthetik der
Museen,dievorallemaufObjektschaukästenundWandtafelnmitTextundFotos
setzte. Hier hingegen ist die gesamte Ausstellung eine Art Bühnenbild, in dem
eine szenische Inszenierungmittels Pappmachéschweinen,Nachbauten vonGal-
genundArbeitszimmernsowjetischerBerateretc. stattfindet,beiderSchaukästen
mithistorischenObjektendieAusnahmesind.
„Zuerst hießdieneueEinrichtung ‚Museum für dieOpfer derDiktatur‘, erst
späterwurde sie zum ‚HausdesTerrors‘umbenannt.DieNamensänderungzeigt
eineModifikationdesKonzepts an:Aus einerGedenkstätte derOpferwurde ein
spektakuläres Propagandamuseum.“ (Kerékgyártó 2006, 301) Mehr als um ein
historischesMuseumhandleessichumeine„memorial representationwitha te-
leological function,whosemainpurpose is theaffirmationandconfirmationofa
political identity.“ (Horváth2008,270)DabeiwarenhistorischeDetailsnichtvon
großerBedeutung:„AsFerenczffy-Kovács explained, theirmainobjectivewas to
achievevisual intensity.He stressed the importanceof turningeach room intoa
visual surprise formaintaining the interest of visitors.“ (Apor 2014, 330)Direkto-
rinSchmidterklärteamVorabendderMuseumseröffnung:
Wirmöchten, dass es denMenschendie Kehle zuschnürt, dass dieMenschendie Schre-
ckenderDiktaturen,dasLeidenderOpfernachempfinden.UndausdemHausdesTerrors
austretenddarandenkenwürden:wiegut,dassdie schrecklichenZeitenvergangensind,
wiegut,dasswir inDemokratie, ineiner freienWelt lebenkönnen!
(MagyarNemzet, 23.2.2002)
Die letztenSätzeeinerMuseumsbroschüreaus2002(ohneSeitenzahlen)deuten
ferner die Opfer zu FreiheitskämpferInnen einer abgeschlossenen Vergangen-
heit um: „The terror’s formerhousedemonstrates today that sacrifices brought
in thenameof freedomarenever futile.Fromthe fightagainst twomurderous
regimes, thepowers of freedomand independencehave emerged victorious.“
4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 191
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Titel
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Untertitel
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Autor
- Ljiljana Radonić
- Verlag
- DE GRUYTER
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 338
- Schlagwörter
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918