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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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zweifelhaft verschiedenenTypenzuzuordnen.137DieTatsacheaber, dass sie sich in derselben ungarischen Hauptstadt befinden und gegensätzliche Geschichts- entwürfe präsentieren, verweist auf die Zerrissenheit der ungarischen Erinne- rungskultur indieserPhase. ImHausdesTerrorswirdMiklósHorthy,derUngarn in der Zwischenkriegszeit zunehmend autoritär regierte, als Demokrat verklärt, imHolocaust-Gedenkzentrum demgegenüber als autoritärer Regent vorgestellt, der antisemitische Politik beförderte. Während das Haus des Terrors versucht, dieVerantwortung fürdenHolocaust inUngarn, soferndieserüberhauptbehan- delt wird, zur Gänze den NationalsozialistInnen und wenigen „ungarischen Nazis“,wie diePfeilkreuzlerInnendort bezeichnetwerden, anzulasten,wirddie ungarischeMitverantwortungfürdenHolocaust imanderenMuseumschonungs- los aufgearbeitet, bis hin zu ausnehmend seltenen visuellen Repräsentationen von der Bevölkerung als Täter– und sogar als Täterinnen. Die Zweiteilung der BudapesterMuseumslandschafthängtauchmitderzwei-odersogardreigeteilten Geschichte Ungarns imZweitenWeltkrieg zusammen. DasNS-Kollaborationsre- gimeunterHorthy eignet sich offenbar noch für eineVerklärung imHausdes Terrors, aber die zwar nachder deutschenBesatzung, jedochnochunterHor- thy erfolgteVernichtungder ungarischen Jüdinnenund Judenmuss davon ir- gendwie abgespalten werden – und zwar indemman das vagemit dem erst später installierten NS-Marionettenregime der PfeilkreuzlerInnen verknüpft. Als dieserDrahtseilakt, dendasHaus des Terrors vollführt, auf heftige inländische, aberauch internationaleKritikstößt,musseinzweitesMuseumher,dasdie ‚An- rufungEuropas‘betreibtundeineArtGleichgewichtherstellt.Wassichseitdieser ZweiteilungderMuseumslandschaftmitderRegierungOrbán II seit 2010gravie- rendveränderthat,wirdweiteruntenausgeführt. 4.3.3 Die ‚In-Betweens‘ Zunächstaberzu jenenMuseen,dievondieserStrukturderbeidenGruppenab- weichen – und den Gründen hierfür. Die Gedenkstätte Theresienstadt/Terezín unddasMuseumdesWarschauerAufstandswerden imFolgendenzuderoben entwickeltenTypologiederunterschiedlichenKommunikationmit ‚Europa‘ ins Verhältnisgesetzt. 137 Bogumił et al. (2018, 5–6) unterscheiden zwischenMuseen als „Tempel“, welche (wie das HausdesTerrors)dieWahrheitzeigenwollen,undMuseenals„Forum“,die (wiedasHolocaust- Gedenkzentrum) offene FragenundDilemmatawie die Beurteilung von ‚Judenräten‘multiper- spektivischzurDiskussionstellen. 202 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
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Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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