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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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Theresienstadt und Jasenovac,weisen also als In-situ-Orte kaumGemeinsam- keitenauf:Terezín istanübereinemDutzendOrte innerhalbundrundumdie FestungsstadtmitAusstellungenundGedenkstättendarumbemüht,dieKom- plexitätdesOrteszuvermitteln,währendJasenovacsehrstarkaufdenOrtdes Hauptlagers fixiert ist unddie frühenLager desKomplexes gar nicht eingebun- densind. (Radonić2021) Trotz desweitaus geringerenAusmaßesderKollaboration inTschechienals im slowakischen oder kroatischen Fall finden sich aber auch in den aktuellen GuideszumGhettomuseumundderKleinenFestungähnlicheMechanismender Externalisierung von Verantwortung. NS-Täter werden in der Ausstellung aus- führlich behandelt. Auch Täterinnenwerden hier genannt: „Der große Schreck der Frauenunterkünfte inTheresienstadtwarendieAngehörigendesHilfsperso- nals der SS aus demnahe gelegenen (damals deutschen) Litoměřice. Eine von ihnenwarElfriedeHübsch,dieam22. Januar1947zu15 JahrenschwerenKerkers verurteiltwurde.“EinheimischeTäter sind inKatalogundAusstellunghingegen nuraufeinemFotozusehen,dasdieSonderabteilungderProtektoratsgendarme- rie fürWach- undEskortierdienste zeigt. Tschechische KollaborateurInnenwer- dennur an zwei Stellen imGuide desGhettomuseums erwähnt und beide sind problematisch.Ander erstenStellewerden– inderAusstellungundwortgleich imGuide–einerseitsdie„eifrigeneinheimischenKollaborateureausdenReihen der tschechischenFaschistenundProtektoratsbehörden“klarbenannt.Anderer- seits istdiesgekoppeltandieFeststellung,dass ihnen die Okkupationsorgane die Teilnahme an der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung nicht [erlaubten], sie hieltendie „Arisierung“,wie sie denorganisiertenRaub jüdischenEi- gentumsnannten, fest indeneigenenHänden. IhreStrategiegingdavonaus,dassnachder Lösungder „Judenfrage“dieLösungder tschechischenFrage folgt.Die „Arisierung“wurde eines der Instrumente für die schrittweise Germanisierung des tschechischen Raums. Aus- gangspunkt für ihreVerwirklichungwurdedieVerordnungdesReichsprotektorsKonstantin vonNeurathüberdas jüdischeEigentumvom21. Juni1939,diedieGültigkeitderNürnberger GesetzeaufdemGebietdesProtektoratsoffiziell einführte.DieVerordnungerhieltaucheine Verfügung,dassder„Arisierung“nichtnurUnternehmenmit jüdischerBeteiligungunterlie- gen,sondernauchsolche,dieunter„jüdischemEinfluss“stehen. (Blodig2003,23–24) DieStelle istkomplex:Erstenswirdproblematisiert,dasssichdie tschechischen KollaborateurInnennicht anderBeraubungder Jüdinnenund Judenbeteiligen durften. Zweitenswirdder Terminus ‚Lösung‘ für die ‚tschechische‘wie fürdie ‚jüdische‘ ‚Frage‘ verwendet, ohne deutlich zumachen, dass in ersterem Fall nicht die industrielle Massenvernichtung der tschechischen Bevölkerung ge- plantwar.UnddrittenswerdendieTschechInnenalsOpferderArisierungstili- 206 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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