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rie fürWach-undEskortierdienstezugeteilt.DerenBefehlshaberwarderKollabo-
rateurOberstleutnant Janeček.“
DieAusstellung thematisiert auchdie antisemitischenMaßnahmender Pro-
tektoratsregierungvielstärkeralsderKatalog.Nebenausgestelltentschechischen
Zeitungsausschnitten mit antijüdischen Verordnungen heißt es in der Ausstel-
lung: „Die tschechischenFaschisten steigertennachderOkkupation ihreantijü-
discheHetze undbemühten sichumeinenAnteil andenRaubzügengegendie
jüdische Bevölkerung.“ Eswird die „Regierungsverordnung der verstümmelten
Tschecho-Slowakei über denAusschluss der Juden aus demstaatlichenDienst“
gezeigt. Neben einem tschechischen antisemitischen Zeitungsartikelmit dem
Titel „Was wird in der Judenfrage getan werden?“ aus 1938 heißt es: „Die
tschechischen Antisemiten versuchten, sich der Politik Hitler-Deutschlands
anzupassen.“DieAusstellungaus 2001 ist also indiesemPunkt imGegensatz
zumKatalogaus2003umselbstkritischeAufarbeitungdertschechischenKollabo-
ration bemüht,was vermutlich dadurch zu erklären ist, dass einerDauerausstel-
lungmehrDeutungskämpfevorangehenalsderHerausgabeeinerPublikation
undsomitmehrPerspektiveneinfließen.
Es istnichtüberraschend,dasssichdieFragederKollaborationalsdie ‚hei-
kelste‘ indenAusstellungenherausstellt.Aberes ist interessant,dassunabhän-
gig vom tatsächlichen historischen Ausmaß der Kollaboration (Satellitenstaat
oder Protektoratsregierung und -gendarmerie), und unabhängig davon, welche
FunktiondasMuseum für dieKommunikationmit ‚Europa‘ einnimmt, ähnliche
Externalisierungsmechanismender Schuld- undErinnerungsabwehr (Rensmann
2017,6)zubeobachtensind.
4.3.3.2 DasMuseumdesWarschauerAufstands(2004–2006)
DasgrößteundbevölkerungsreichstepostsozialistischeEU-Mitgliedslandkamin
diesemKapitel bisher nicht vor: Polen.DasMuseumdesWarschauerAufstands
wurde,nach langenvergeblichenBemühungen,die inderEinleitunggeschildert
wurden,schließlicherfolgreichvonLechKaczyński initiiert,derdamalsStadtprä-
sident,alsoBürgermeistervonWarschauwarunddessenVateramAufstandteil-
genommenhatte,deram1.August 1944gegendieNS-Besatzerbegannundnach
63Tagenblutigniedergeschlagenwurde.Kaczyński setzte2003einTeamumDi-
rektor JanOłdakowski ein, einenEhrenausschuss aus 57Veteranen,Geistlichen
und VertreterInnen ausWissenschaft und Kultur sowie einen Programmaus-
schuss aus zwölfHistorikerInnen,MuseologInnenundVermittlungsspezialistIn-
nen. (Dąbkowska-Cichocka et al. 2007a, 15) DasMuseumwurde zwischen 2004
und 2006mit öffentlichenGeldern in Etappen imGebäude eines alten Straßen-
bahnelektrizitätswerks eröffnet, dasunter der LeitungdesKrakauerArchitekten
208 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Titel
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Untertitel
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Autor
- Ljiljana Radonić
- Verlag
- DE GRUYTER
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 338
- Schlagwörter
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918