Seite - 210 - in Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Bild der Seite - 210 -
Text der Seite - 210 -
Remembrance, theFreedomParkandnumerousplaces in theexposition.Thepowerplant
becameakindofpatrioticsanctuary.143 (Dąbkowska-Cichockaetal. 2007a,9)
ImAudioguide heißt es, ungewöhnlich für Gedenkmuseen undhistorischeMu-
seen aller Art: „Wir laden Sie außerdem jeden Sonntag um 12:30 zur Heiligen
Sonntagsmesse inder Kapelle des SeligenVaters Józef Stanek ein, die vondem
Museumskaplan zelebriert wird.“ In der Ausstellung wird Stanek in der Über-
schrift zueinerTexttafelals„Martyrchaplain“bezeichnet,daerbeiderEvakuie-
rungnachdemAufstandseinenPlatzaneinenverwundetenSoldatenabgetreten
habe.DreiFotoszeigendenPapstbei seinerSeligsprechung1999zusammenmit
107weiteren„PolishmartyrsforFaithandMotherland“.
KritikerInnenwenden ein, der Vizedirektor desMuseums PawełUkielski
dichte denAufstand, der zur völligenZerstörungWarschaus führte, zu einem
Siegum:
While its immediate results were tragic, the memory of having resisted totalitarianism
sustainedandstrengthenedpeopleduringcommunismaswell asdiscouraged themfrom
beginning another uprising prematurely. Real victory – informed by thememory of the
Risingand the legacyof thePolishundergroundstate– cameabout in 1989with theend
of communism in Poland. The emergence of Poland as an independent and democratic
country,Ukielski said,wasultimatelyaproductof theRising’s legacies.
(ŻychlińskaundFontana2016,248f)
Ukielski nährt auch die Forderung nach einer von der PiS angeführten Vierten
Republik:DemVizedirektor zufolgehabedieDritteRepublikder 1990er Jahre Ig-
noranzinBezugaufdieVergangenheitandenTaggelegt. Im21. Jahrhunderthät-
ten dann die Polen begriffen, dass ein derart „kaltes“Gemeinschaftskonzept
nicht funktioniere und dass nur eine „Erinnerungsgemeinschaft“wirklichen
Wandelbringenkönne.DeshalbseidasAufstandsmuseumgegründetworden.
(Ukielski2006)DasMuseum„conveys traditionofPolish19thcenturyromanti-
cism, its ideas andvalues expressed in the slogan ‚God–Honor–Homeland‘
andplaysacrucial social role inshapingandmaintaininguncritical,mytholo-
gizedandnationalistichistoryof thePoles.“ (Kurkowska-Budzan2006,140)
Es ist erstaunlich, wiewenig sich in der Sekundärliteratur über dieMuse-
umseröffnung findet–abgesehenvoneinemText vonŻychlińskaundFontana
(2016). Sie fand am31. Juli 2004 statt, demVortag des 60. Jahrestags desAuf-
stands. Dabei ist es dasjenige Ereignis, demdieMedien imVergleichmit allen
143 LetztererAusdruck–patriotycznąświątynią,wieessowohl inderaltenalsauchinderneuen
polnischenGuideausgabeheißt (Dąbkowska-Cichockaet al. 2007b, 9;Dąbkowska-Cichockaet al.
2014, 13),wurde inder englischenÜbersetzung2015geändert undheißtnunneutraler: „Quite li-
terallythepowerplant turnedintoaplaceofremembrance.“ (Dąbkowska-Cichockaetal.2015,13)
210 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Titel
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Untertitel
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Autor
- Ljiljana Radonić
- Verlag
- DE GRUYTER
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 338
- Schlagwörter
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918