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the country at large? This question about apersonal assessment comprises an important
experienceof theMuseumweare invitingto. (Dąbkowska-Cichockaetal. 2007a,8)
Im Nachbau der Kanalisation „the low and narrow corridor forces visitors to
benddownand squeeze through in thedark, giving a sense ofwhat the insur-
gentshad to go through.“ (Dąbkowska-Cichocka et al. 2007a, 184)DieAusstel-
lungermunteredieBesucherInnen jedochnicht„toask thequestionofwhether
the Risingwasworthwhile, and this is not simply by omission. These are the
politicsofmemory inaction.“ (Waśkiewicz2010,56)
DieEinladungzurungebrochenen,unkritischen,patriotischenIdentifikation
mitdemAufstandgehtHandinHandmiteinerMobilisierungder Jugend.Bereits
dieEröffnungseventswurdenvoneinemlandesweitenPfadfinderInnentreffenbe-
gleitet. 500 von ihnen nahmen am feierlichen Gottesdienst teil, hieltenWache
auf demFriedhof Powązki undbeimGrabdesunbekanntenSoldaten, verteilten
kalteGetränkegegendieHitzebeiderEröffnungundhalfenbeidenFeierlichkei-
ten. (GazetaWyborcza, 29.7.2004;2.8.2004;Rzeczpospolita, 20.7.2004)
DasMuseum richtet sich auch explizit und stärker als andereMuseenmit
Gedenkcharakter an Kinder. Es sei Vizedirektor Ukielski (2011, 216) zufolge die
einzige Einrichtung, „die spezielle Unterrichtseinheiten auch für Kindergärten
anbietet.Wir sind davon überzeugt, dass die historische Erziehungmit staats-
bürgerlichemAkzent bereitsmöglichst früh, ambesten im ‚fortgeschrittenen
Kindergartenalter‘, einsetzensollte.“FürKinder ist eineigener„Saalderkleinen
Aufständischen“ eingerichtet worden, ein bunter Raummit einem Holzboden.
Ander Decke hängenModellkampflugzeuge, überall stehen Teddybären und
Spielzeug.Bereits imVorfeldderEröffnungheißt es:„AufKindergartenkinder
werdenhierhandgemachteTeddys(diegleichen,wiesieGleichaltrigevor60Jah-
renhatten)warten.ÄltereKinderwerdenetwasvomAufstanderfahrenkönnen,
indemsie zumBeispiel Feldpost spielen.“ (GazetaWyborcza, 21.9.2004) ImGuide
wird ausgeführt: „Amongmanyperiod toys and games, children candraw, play
withreplicapuppet theatre fromtheRising,buildabarricadeorre-enact theexpe-
rience of their peers in the Scouts’ Field Postal Services.“ (Dąbkowska-Cichocka
etal. 2007a,57)AufeinerVideowandsindalsAufständischeverkleideteKinderzu
sehen,die einAufstandslied singen,diekleinenBesucherInnenkönnenverschie-
deneStempelmitBezugzumAufstandaufeineStempelkartedrücken.
An der Wand steht eine Replik der Statue des „Kleinen Aufständischen“
aus1983:„The littleboywithaweaponslungoverhisshoulderandanoversize
helmet symbolizes the freedom that remains anoverridingvalue for all Poles.“
HierwirdalsonichtetwadieSchrecklichkeitdesKrieges,dieauchKinder trifft,
thematisiert. An einer weniger prominenten Stelle heißt es aber dann doch:
„TheRising is a very difficult time for children“. Es überwiegt jedoch der Ein-
4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 213
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Titel
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Untertitel
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Autor
- Ljiljana Radonić
- Verlag
- DE GRUYTER
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 338
- Schlagwörter
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918