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derMuseumsangestellten“ für den „Schöpfer desMuseums“ eineGedenktafel
amEingangdesMuseumsenthüllt.
ImMuseumsguide aus 2015, der alsonoch vor demerneutenWahlsiegder
PiS 2015 erstellt wurde, findet eine Entschärfung statt. Aus demMuseum als
„patriotic sanctuary“ von 2007wird 2015wie schon erwähnt ein „place of re-
membrance“. InBezugauf Stalins leereVersprechung, denAufstand zuunter-
stützen, heißt es 2007: „Stalin’s stancewas applaudedbyPolish Communists,
whowerepreparing themselves to takepower–unter thecoverofSovietbayo-
nettes– inPolish territories capturedby theRedArmy.“ (Dąbkowska-Cichocka
etal. 2007a, 132) 2015 fehltdannderdrastischeEinschubüberdie sowjetischen
Bayonette. (Dąbkowska-Cichocka et al. 2015, 132) ImAudioguide kommt er je-
doch (beimeinemBesuch2014aufgenommen)vor, ebensowie inbeidenpolni-
schenVersionen aus 2006und 2014. ImAbschnitt über BerlingsArmee später
imGuide sowie im 1. Stock der Ausstellung trägt ein Textkasten 2007 nochdie
Überschrift „Victims of Uncle Joe’s policy“ (Dąbkowska-Cichocka et al. 2007a,
126),während es 2015neutraler „Victims of Stalin’s RisingPolicy“ (Dąbkowska-
Cichockaetal.2015,126)heißt. InbeidenpolnischenAusgabenwirddasausdem
Russischen ‚eingepolnischte‘WortBatjuschka („Väterchen“) verwendet: „Ofiary
politykibatiuszkiStalina“. (Dąbkowska-Cichockaetal.2007b,126;2014,126)
DieentscheidendsteÄnderung imGuide istein2015eingefügtesvölligneues
Kapitel:„ControversysurroundingtheRising“,dasalsReaktionaufdieKritikver-
standen werden kann, im Museum werde die Sinnhaftigkeit des Aufstands
überhauptnichtdiskutiert:
Afeudover theWarsawRisinghadstartedevenbefore itbrokeoutandcontinuedwhile it
lasted. […]TheRisingwasdiscussedonmanylevels, fromthepolitical reasonsforstarting
it, throughdisagreementsoverPolishpolicyanddiplomacyduringWWII to themost fun-
damental issueofPolish traditionandhistory. (Dąbkowska-Cichockaetal. 2015, 178)
Eine neue Texttafel aus dem 1. Stock der Ausstellung thematisiert ebenfalls
„Viewson the rising: TheWarsawRising stirsupextremeemotions, frommore
or less factual criticismtoglorification.This is apparentwhenone listens to in-
terviews with decision-makers and participants in the Rising, historians and
communistpropagandists.“
Ferner wurden in der Katalogversion aus 2015 Kinder, die Aufständische
spielen,entfernt,weilesandemunreflektiertenZugangdesMuseumsdazuviel
Kritik gegeben hatte. Im Gegensatz zum Guide aus 2007 ist das prominente,
großeundeinprägsameBildderbeidenKindermitHelmen,die imSaalderklei-
nen Aufständischen Barrikaden aus Sandsäcken bauen, verschwunden (Dąb-
kowska-Cichockaetal. 2007a, 56), vermutlichweil esdieProblematikdesSaals
am augenscheinlichsten darstellte. Obwohl die Bebilderung der Neuauflage
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Titel
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Untertitel
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Autor
- Ljiljana Radonić
- Verlag
- DE GRUYTER
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 338
- Schlagwörter
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918