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dass Rumänien unter Ion Antonescu imbesetzten Transnistrien Todeslager vor
allem für die ausBessarabien, derBukowinaundOdessadeportierten Jüdinnen
und Juden sowie Romnja und Roma betrieb. (International Commission on the
Holocaust inRomania2014)Dasgrößtevon ihnenwarBogdanivka.Die jüdische
Bevölkerung indenangestammtenGebietenwurdezumTeil auchOpfer vonPo-
gromenderEisernenGarde,dochdieMehrzahlwurdenichtdeportiert.Bulgarien
rettete ebenfalls ‚seine Juden‘, lieferte aber jeneausden ‚neuenGebieten‘Maze-
donienundThrakienandas ‚DritteReich‘aus. 1989bestandebenfallseingroßer
Unterschied: DieWende in Rumänien verlief blutig, wenn auch die politischen
Elitender ‚zweitenReihe‘weitgehendanderMacht blieben.DieWahl inBulga-
riengewann1990die in sozialistischumbenannteKommunistischePartei vor
der anti-kommunistischen Opposition. Bulgarien und Rumänien traten 2007
zurgleichenZeit derEUbei, aber imGegensatz zudenanderenpostsozialisti-
schenEU-Ländern ist zudieser Zeit indenMuseenkeinerlei ‚Kommunikationmit
Europa‘ feststellbar,weder imSinnedereinen,nochderanderenobenvorgestell-
tenGruppevonMuseen. FürSofiaundBukarest bezeichnend ist dasFehlendes-
sen,was hier als ‚Gedenkmuseum‘bezeichnetwird–wieüberhaupt nurwenige
AusstellungendenZweitenWeltkriegoderdiestaatssozialistischeÄrabehandeln.
WieaberuntersuchtmandasFehlenvonetwas?152Mansiehtsichalle irgend-
wieverwandtenMuseenan.Wasesgibt, sindnämlichnationaleGeschichte-oder
MilitärmuseensowieWohnhäuserwichtigerPersönlichkeiten.MeineAnalyse fußt
imFolgendenaufdemBesuchallerhistorischenMuseeninSofiaundBukarest, in
denenmandie ErörterungderGeschichtedes 20. Jahrhunderts erwartenkönnte:
in Sofia desNationalenGeschichtemuseums, desNationalenMilitärmuseums
sowie des Museums der sozialistischen Kunst (die Holocaust-Ausstellung in
der Synagogewar zumZeitpunktmeines Besuchs 2019wegenÜberarbeitung
geschlossen); inBukarestdesNationalenGeschichtemuseums,desNationalen
Militärmuseums,derHolocaust-Ausstellung inderGroßenSynagoge,derCasa
Ceauşescu sowiedesNationalmuseumsCotroceni imPalast desRumänischen
Königshauses. (Das Nationalmuseum des Rumänischen Bauern im ehemali-
genMuseumderKPwar inÜberarbeitung,vgl.Nicolescu2017.)153
152 IchdankeDanielaKoleva,NikolaiVukov,SvetlaKazalarskaundMartin Jung fürdiewert-
vollenDiskussionenübermöglicheGründe für das Fehlen vonGedenkmuseen in denbeiden
Ländern.
153 Das den Opfern des Kommunismus und demWiderstand gewidmete Memorial Sighet
(Jung 2015, 139–164) konnte aufgrund seiner peripherenLage ander rumänisch-ukrainischen
GrenzeneunAutostundenvonBukarest entferntnicht indieAnalyse einbezogenwerden,die
sichvorallemaufdiebeidenHauptstädtekonzentriert.AuchdiekleineSighet-Filiale inBukarest
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Titel
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Untertitel
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Autor
- Ljiljana Radonić
- Verlag
- DE GRUYTER
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 338
- Schlagwörter
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918