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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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DieAusstellungbeginntmitdemAufstand,dendieLithuanianActivistFront (LAF) am ersten Tag des deutsch-sowjetischen Krieges, als dieWehrmacht das litauische Territorium betrat, gegen die sowjetischen Besatzer organisiert habe. Dabeiwird jedoch außen vor gelassen, dass dieselbe LAF in den frühen Tagen desHolocaust inLitaueneineentscheidendeRolle gespielt hat. (Katz 2011)Über die Täter heißt es hingegen: „The occupants also tried tomobilize Lithuanian youthtomilitaryandpoliceunits.However, theattemptof theGermansinFebru- ary andMarch 1943 to formaLithuanianSS legion failed. Lithuanianyouthdid notwant to join the legionandboycotted themilitarymobilizationandworkdu- tiesannouncedby theGermans.“ Indenerstenvierder sechsAbsätze indiesem Abschnitt werden ausschließlich nicht-jüdische Opfer behandelt. „The Third Reichwasmerciless in itspersecutionof theenemiesof theregime:15,000Poles, 10–20,000 Lithuanians, and 5–10,000 Russians, Byelorussians, and Roma be- camevictimsof theNazis.“Hierwerdenzwar immerhinRomaerstmalserwähnt, aber RegimegegnerInnen mit Opfern rassistischer Verfolgung vermischt. Dann gehtesaber imsechstenAbsatzumdie jüdischenOpferundKollaborateurInnen: „TheNazipoliciesweremostpainful for the Jews.Although thepersecutionand execution of Jewswere organisedbyNaziGermany inmost occupied countries, and Lithuania is no exception, theNazismanaged to involve some of the local residents in thesecrimes.“WievieleundwelcheLitauerInnensichanderVer- nichtung beteiligt haben,wird hier erst einmal nicht spezifiziert, geschweige denn,warum.WennmanhierdieVerfolgungmit derNS-Besatzungbeginnen lässt, werden erneut die Pogrome der ersten Kriegstage ausgeblendet. Wäh- rendferner indenoberenStockwerkendavondieRede ist,dass ‚unsere‘Opfer aus der litauischenMehrheitsbevölkerung ‚deported‘wurden, werden sie in diesemRaum ‚transported‘,waseinentmenschlichenderBegriff ist. Die Fotos dieses erstenAbschnitts zeigen ein Porträt vonHorstWulff, dem Kommissar desDistriktsVilnius, dendeutschenEinmarschunddasHauptquar- tierderBesatzungsmacht;dieEhrunggefallenerdeutscherSoldatensowieTheo- dor Adrian von Renteln, Generalkommissar in Litauen, mit Alfred Rosenberg, Reichsminister fürdiebesetztenOstgebiete,unddemersten litauischenProtago- nisten, Petras Kubiliūnas, lapidar als „representative of the Lithuanian self-go- vernment, the first general assessor and general assessor for internal affairs“ vorgestellt. NebeneinemFotoder schwerbeschädigtengroßenSynagoge inVil- nius findet sich das Foto gehängter Männer mit der wenig Kontext bietenden Bildunterschrift: „Victims of an execution carried out by the Nazis. Šaukėnai, Kelmėdistrict, 26 February 1942“. UnterschiedsloseOpferschaftwirdhier beför- dert. Unbeschriftet bleibt das Foto einer bewachten Kolonne von Männern in einerOrtschaft. Ein aus einemanderenWinkel von vermutlich derselben Szene aufgenommenesFotozeigt jüdischeZwangsarbeiter imSommer1941.Dieeinzige 4.4 Seit2010:NeuesteEntwicklungeninpostsozialistischenMuseen 245
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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