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Moving on to the narrow section about theHolocaust in Estonia, visitors find a relative
lackofpersonalobjectsandstoriescomparedto theGulagsection. […] Still, thecuratorof
the section clearly made an effort to combine the results of scholarly research on Nazi
crimes in Estonia with a few individual memories collected from letters and fragments
that survived theWar. Here,more than elsewhere, visitors are dependent on the audio-
guide,whichprovidesbasic informationaboutwhathappenedandwhowas involved.
Sie führen diesenMangel zum Teil auf „the small number of Jewish-Estonian
survivorswhosestoriescanbetold“zurück,dochauchdieSchicksale jener,die
nicht überlebt haben, können individualisierend dargestellt werden, wie das
EstnischeJüdischeMuseumzeigt. (Abb.52)
ImGegensatzzuPääboundPettaikommenKõresaarundJõesalu(2020)zudem
Ergebnis,derHolocaust-Abschnitt sei
more personalised than the representation of the Stalinist repressions. TheHolocaust in
Estonia is representedwith the life story of Daisy Levin (b. 1933), whowasmurdered in
Pärnusynagoguein1941.Daisy’sstory isdisplayedthroughphotographsandhernanny’s
letters toher family.
DerWiderspruchzwischendenbeidenBefundenlässt sichmitdemVerweisdar-
aufauflösen,dassderersteTextoffenbarnachderZahl individualisierenderOp-
fergeschichtenfragt,währendderzweitedas In-die-Tiefe-Gehender individuellen
Geschichte anerkennt. Festzuhalten bleibt vor allem, dass indieserAusstellung
(imGegensatz zuralten) jüdischeOpfer individuelldargestelltwerden.DieOpfer
‚rassischer‘Verfolgungwerden hier aber tendenziell homogenisierend und kol-
lektivalsEthnievorgestellt. IndenanderenTeilenwerdenhingegenunterschied-
liche Lebensrealitäten erörtert, die ethnisch-estnische Bevölkerung also in ihrer
Heterogenität ohne zuwerten vorgestellt: die nationalistischen und die assimi-
liertenExil-EstInnen,dieAusgewandertenimGegensatzzudeninEstlandgeblie-
benenusw.(PääboundPettai2019)
Abb.52:RalliundHanniRatenbergsowieweitereneunnamentlichgenanntevoninsgesamt
120estnischenKinder-Holocaust-Opfern imEstnischenJüdischenMuseuminTallinn.
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Titel
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Untertitel
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Autor
- Ljiljana Radonić
- Verlag
- DE GRUYTER
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 338
- Schlagwörter
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918