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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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jungenMenschen.DieTragödiedesHolocaustsmuss fürsie,die inderglückli- chenLagesind,Bürgereines freiendemokratischenLandeszusein,nacherlebbar werden“, so Schmidt. (Verseck 2013) Abgesehen vonder Fragwürdigkeit desAn- spruchs, den Holocaust „nacherlebbar“ zu machen, wird die Holocaust-Erinne- rungauchnochdafürverwendet,dendemokratischenCharakterdesungarischen politischenSystemszuZeitendesautoritärenBacklashszuunterstreichen. Der neben den Kindern zweite Fokus sollen diejenigen UngarInnen sein, die Jüdinnenund Juden gerettet haben, ein Trend, der auch in Polen deutlich zubeobachtenist,wieweiteruntenausgeführtwird.Schmidtplante fürdasBu- dapester „Haus der Schicksale“ eine „story of love between Hungarian Jews andnon-Jews.“ (Schmidt2014)WieschoninderkleinenNS-AusstellungimMu- seumderGenozidopfer fällt auchhierderüberdimensionaleDavidsternaufder Fassade auf. BeideMuseen tragen damit der ‚Universalisierung‘und ‚Europäi- sierungdesHolocaust‘Rechnung,ohnedassdabeidie individuellenHolocaust- Opferselbst imFokusstehen. Dieses zweite Budapester Holocaust-Museumkonnte allerdings bis heute nicht eröffnet werden, da vor allemder Dachverband der JüdischenGemein- den in Ungarn,Mazsihisz, Schmidts Geschichtsrevisionismus kritisierte und das Projekt internationaleAufmerksamkeit, etwader InternationalHolocaust Remembrance Alliance und des israelischen Staates, auf sich zog. Während SchmidtaufdieUmsetzungpochte,nahmetwaJánosLázár,damalsLeiterder Staatskanzlei im Kabinett Orbán III, der das Museummitinitiiert hatte, eine versöhnlichereHaltungeinundwollte esnichtumjedenPreis trotzder inner- ungarischen und internationalenKritik durchpreschen:wenn es die jüdische Gemeindenichtunterstütze,werdedasMuseumnichteröffnet, soLázár. (Hun- garianSpectrum, 6.3.2015)Neuerdingsunterstütztbeziehungsweise legitimiert aber die kleine orthodox-jüdische Chabad-Gemeinde EMIHunter der Leitung vonRabbiShlomoKövesdasFideszscheMuseumsprojekt, sodassesvielleicht doch 2021 umgesetzt werden kann. (Hungarian Spectrum, 3.1.2019) Dies gibt eineAhnung vondenDrahtseilakten, die eineMinderheit vollführenmuss in einem Land, gegen das das EU-Parlament 2018 ein Verfahren nach Artikel 7 eröffnete, weil die RegierungOrbán durch ihrHandeln die Grundwerte der EU- Verträge verletze, also die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit,RechtsstaatlichkeitunddieWahrungderMenschenrechteeinschließ- lich der Minderheitenrechte. Beide jüdischen Gemeinden haben enge Kontakte mit Israelundes ist fürsiebedeutend,dassFidesz imGegensatzzur langenanti- zionistischen Tradition im Staatssozialismus enge Beziehungen mit dem jüdi- schen Staat unterhält.Wenn es hingegen umdenGeschichtsrevisionismus von Fidesz inBezugaufdenHolocaustgeht,nehmensie jedocheineunterschiedliche Haltungein. 4.4 Seit2010:NeuesteEntwicklungeninpostsozialistischenMuseen 259
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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