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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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legt, kanndieRadikalität derVerurteilunghiernicht geteiltwerden. Sie erweckt vielmehr den Eindruck, dass ausgerechnet von diesemMuseum, das von Ka- czyńskimitermöglichtwurde, erwartetwürde, keine geschichtspolitischenKom- promisse zumachen und frei von politischenÜberlegungen die Ausstellung zu gestalten, doch jedesMuseum ist aucheine Identitätsfabrikunddient aktuellen Zwecken. Die Polonistin undFotografin Elżbieta Janicka fasst das in dieWorte– ein polnischesantisemitischesSprichwortabwandelnd–, dassdasMuseum„polish duties“ (Janicka 2016, 25) habe. Sie kritisiert den Kurznamen POLIN, der 2014 demMuseumsnamenhinzugefügtwurde.Dashebräischepo-lin (ruhehier) ver- weist auf eineLegendeüber Jüdinnenund Juden,dienachPolenkamen– Ja- nicka (2016, 15) zufolge eineArt Selbstüberzeugungsmythos, dass Polen eine weniger feindseligeUmgebung als inWirklichkeitwar. Für die jüdischenBe- ziehungenmit Polinnen und Polen diente dieser Mythos als „instrument of mercy-evoking persuasion“. (Janicka 2016, 130) Später sei er jedoch von der Mehrheitsbevölkerung übernommenworden und „included in the arsenal of symbolicviolenceasa toolofblackmail.“ (Janicka2016,22)AuchdasMuseum sei so eine Art von Erpressung: die polnisch-jüdischen Beziehungenwürden schöngefärbt, umüberhaupt einMuseummöglich zumachen. Aufgrund die- serKritik isthierauchnicht,wie indenmeistenanderenTextenüberdie Insti- tutionvomPOLIN-MuseumdieRede,sondernvomMGPJ. Mankannüber dieAusstellungvielleicht ambestenkonstatieren, dass „the exhibitiondoesnot permit the story of suffering to cast too longa shadowover Polish-Jewishhistory.“ (Rosenfeld2016,259)DasMuseumsiehtzuweilenauswie einMärchenwald der polnisch-jüdischen Beziehungen – und kaum drehtman sich um,wird schonungslos auf der Textebene der tief verwurzelte Antisemitis- musthematisiert,wasineinemSpannungsverhältniszueinandersteht.Antisemi- tismuswerde „presented inadispersedwayandon theperipheryof themaster narrative.“ (Janicka2016,40)Einerseits lässt sicheinwenden,dass insbesondere derHolocaust-Abschnitt vondenrenommiertenWissenschaftlerInnenJacekLeo- ciakundBarbara Engelking vomPolishCenter forHolocaust Researchkuratiert wurde,daswichtigeErgebnissezumlokalenKontextdesHolocaustundzumpol- nischen Antisemitismus vorgelegt hat. Andererseits muss auch betont werden, dass die KuratorInnen der einzelnen Galerien mehrfach von oben überstimmt wurden,weshalb etwa die Kuratorin der Post-1945-GalerieHelenaDatner sogar dasAusstellungsteamverließ. (Aktivo2015) Auf jedenFallwarendieKuratorInnenbemüht, verschiedenePerspektiven zubeleuchten. So befinden sichBesucherInnen zunächst sozusagen innerhalb des Ghettos, überqueren dann symbolisch die Brücke, die über die ‚arische‘ Chłodna-Straße führte, die die beiden Ghettohälften voneinander trennte – 264 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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