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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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Museumsarbeit nicht zublockierenund sein Stellvertreter Zygmunt Stępiński wurdealsMuseumsdirektoreingesetzt. (JewishHeritageEurope2020) Zwischen den beiden PiS-Regierungsperioden von 2005–2007 und ab 2015 gab fernerPremierDonaldTuskvonder liberalenBürgerrechtsplattformPO2008 das Museum der Geschichte des ZweitenWeltkriegs in Gdańsk in Auftrag und setzte denHistoriker PawełMachcewicz als Direktor ein. (Radonić 2020, 65–68) Dieser entwarf ein Museum, das nicht Militärgeschichte, sondern die Brutalität unddiekatastrophischenAuswirkungendesZweitenWeltkriegsausstellensollte. Anfang 2017 konnte es, trotz sofort nach demPiS-Regierungsantritt einsetzender heftigerKritik, eröffnetwerden.DieumfangreicheAusstellungbehandelt den Krieg in Polen unter starker Berücksichtigung des internationalen Kontexts, Einbeziehung nicht nur der Politik- undMilitärgeschichte, sondern auch der Alltagsebene, vonEmotionen,Geschlechterverhältnis undSexualität,wie der verbotenen sexuellenBeziehungen zwischenBäuerinnenund ihnen zugewie- senenZwangsarbeiternoderLagerbordelle.164WieauchdasMGPJ thematisiert sie auchdie vonPolinnenundPolen ander jüdischenBevölkerungbegange- nenVerbrechen,allenvoran in Jedwabne, aberauchanderenorts.DerRest ist sozusagenGeschichte:Die Tatsache, dassDirektorMachcewicz zwarnicht ohne weiteresentlassenwerdenkonnte,aberwenigeWochennachderMuseumseröff- nungzusammenmitseinenStellvertreterndennochgehenmusste.DiePiS-Regie- runghatte dasMuseumnämlich auf demPapiermit einembis dato nochnicht existentenMuseum derWesterplatte zusammengelegt, um die Leitung austau- schen zu können, was international sehr große Aufmerksamkeit erregte. „Der vormals international besetzte wissenschaftliche Beirat wurde ‚polonisiert‘ und provinzialisiert.“ (Logemann 2020)Der Parteivorsitzende JarosławKaczyński er- klärte,manwerde die polnischen Interessenunddie „polnischeWahrheit“ ver- teidigen:„WirwerdendasKonzeptdesWeltkriegsmuseumsverändern,damitdie Ausstellung den polnischen Standpunkt einnimmt. Die Erziehung junger Polen darf sichnichtaufdasGefühlderSchamstützen,wiedasheutederFall ist, son- dernaufeinGefühlvonWürdeundStolz.“ (Zit.n.Kellermann2016) Das Kulturministerium setzte einen lokalenMitarbeiter des staatlichen In- stituts für Nationales Gedenken (IPN), Karol Nawrocki, als neuenDirektor ein unddieAusstellungwurde seitdem– imGegensatz etwazumMGPJ, aber auch zumHolocaust-Gedenkzentrum inBudapest, Schritt für Schritt umgestaltet. Im 164 DanielLogemann,dernebenanderendieAusstellungsteileüberZwangsarbeit,Lagerund Holocaustkuratierte,wiesdaraufhin,dassvor lauterDiskussionüberdiePiS-Angriffeaufdas Museum dessen von Beginn an vorliegende polnisch-nationale Grundausrichtung, die trotz desAnspruchs auf Transnationalität immer deutlich erkennbar gewesen sei, nicht zurKennt- nisgenommenwurde. (Logemann2020) 4.4 Seit2010:NeuesteEntwicklungeninpostsozialistischenMuseen 267
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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