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WeitereÄnderungen folgenKaczyńskisDevise, dieAusstellungdahingehend zu
transformieren, dass sie den „polnischen Standpunkt“ einnimmt und „Würde“
und „Stolz“ vermittelt. Aufgrund der zahlreichenÄnderungen klagen derzeit
Direktor Machcewicz sowie die für das Konzept zuständigen Historiker Janusz
Marszalec,RafałWnukundPiotrM.MajewskiwegenVerletzungdesCopyrights.
WennsieRecht bekämen,würdedas inPoleneinenPräzedenzfall schaffen, der
CopyrightaufAusstellungenausdehnt.166
Der Fokus auf ‚JudenretterInnen‘ lässt sich in Polen derzeit vielfach beob-
achten. Ammarkantesten ist das Ulma Family Museum of Poles Saving Jews
DuringWorldWar II, ein großesMuseum imkleinenÖrtchenMarkowa (Grab-
owski undLibionka 2017) im südöstlichenPolen, das vonder PiS-dominierten
Regionalregierung und dem Kulturministerium gegründet wurde. Wieder ste-
hen die Namen polnischer RetterInnen im Vordergrund – und zwar ethnisch
polnischer, während jene aus den ukrainischen und griechisch-katholischen
Gemeinden ausgeblendet werden. (Wóycicka 2019, 261) Im Gegensatz dazu
wirdeinMitgliedderpolnischenPolizei,der indieErmordungderUlma-Fami-
lie involviertwar,alsNicht-Pole inszeniert:„HewasGreekCatholicand there-
foresomeconsideredhimaUkrainian.“ (Wóycicka2019,261)
Auch die vom polnischen Außenministerium mitfinanzierte Gedenkka-
pelle (Kaplica Pamięci) für ‚Judenretter‘ in Toruń südlich vonGdańsk (kaplica-
pamieci.pl) ist hier zunennen. Siewurde vonVater TadeuszRydzyk ins Leben
gerufen,demMitbegründer vonRadioMaria, der„infamous forhisanti-Semitic
enunciations“ ist. (Wóycicka 2019, 257) Auch dieser Gedenkort wiederholt das
bekannteMusterundbenenntnurdie„RetterInnen“:„JózefUlma,hiswifeWik-
toria,whowasheavilypregnantat thetime,andtheirsixchildren(theeldestone
was8and theyoungestonewas1.5yearsold)“, nichtaber jene„eight Jewswho
werehiding[and]werekilledaswell.“ (kaplica-pamieci.pl/eng)
AlsnächstesProjekt soll 2023dasMuseumdesWarschauerGhettos ineinem
ehemaligen jüdischenKinderspitalbeim letztennocherhaltenenTeilderGhetto-
mauer eröffnet werden. Eswurde vomPiS-Kulturminister Piotr Gliński initiiert,
der2017meinte:„Iwouldlikethisinstitutiontospeakofthemutuallovebetween
thetwonationsthatspent800yearshere,onPolishland.Ofthesolidarity, frater-
166 Nachtrag: ImOktober 2020 entschieddasBezirksgericht inGdańsk, dass dasCopyright der
Autoren absichtlich verletztwurde. (Flieger 2020)DochdiemeistenÄnderungenwurden als zu
geringfügigabgetanundnurdervomneuenDirektorNawrockieingesetzteFilmamEndederAus-
stellungsollteentferntwerden.DieAutorenhabendeshalbEinsprucheingelegt. IchdankePaweł
Machcewicz für die Informationen zumEinspruch.DieAuswirkungendesUrteils sowiedieAus-
sichtenfürdenEinspruchlassensichzumZeitpunktderDrucklegungnochnichtabschätzen.
4.4 Seit2010:NeuesteEntwicklungeninpostsozialistischenMuseen 269
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Titel
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Untertitel
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Autor
- Ljiljana Radonić
- Verlag
- DE GRUYTER
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 338
- Schlagwörter
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918