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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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um.Anderebestätigendie ‚UniversalierungdesHolocaust‘alsMaßstab, andem mansichabarbeitenmüsse, indemsie,wie imestnischenFall, einehelleGlas- konstruktion für das neugebauteMuseumder Okkupationen explizit mit der Ablehnung der düsteren, „kirchenähnlichen“Atmosphäre vonHolocaustmu- seen begründen. Ungarn ist in dieser Studie dabei der einzige Fall mit zwei einanderwidersprechenden staatlichenMuseen inderselbenStadt, dem2002 vonOrbán imWahlkampfpräsentiertenHausdesTerrorsmitFokusauf sozia- listischenTerror unddemHolocaust-Gedenkzentrumausder Zeit desEU-Bei- tritts als Signal nach außen, das auch als Antwort auf die heftige Kritik am zwei Jahre zuvor eröffnetenHausdesTerrors verstandenwerdenmuss.DasZeit- geschichtemuseuminLjubljanavereinigtbeideTendenzen inein-undderselben Ausstellung,nachdem1998einslowenischerKritikerdasFehlenvonstaatssozia- listischenVerbrechen inderAusstellungbemängelt hatte–undpromptmit der AusarbeitungeinesweiterenAusstellungsteilsbeauftragtwurde. Gründe für die ‚Anrufung Europas‘ im Fall der einen Gruppe bzw. dafür, warumsie imFall der anderenMuseennicht fürnötiggehaltenwurde, können folgende genannt werden: Im ungarischen Fall machte die internationale Kritik amHausdesTerrorsalsReaktiondaraufdasHolocaust-Gedenkzentrumgewisser- maßen notwendig. Im slowakischen und kroatischen Fall riefen die stockenden EU-BeitrittsbemühungendesslowakischenNachzüglersbeiderEU-Osterweiterung von2004unddesmitderAufarbeitungdesKriegesder1990erkämpfendenKroati- ens die ‚Anrufung Europas‘ auf den Plan. Parallelen in der Kommunikationmit ‚Europa‘ergabensichalsozwischenzwei ihremCharakternachunterschiedlichen Institutionen, dem slowakischen Aufstandsmuseum und der kroatischen KZ-Ge- denkstätte– nicht etwa, wieman erwarten könnte, zwischen den einzigen zwei KZ-GedenkstättenunterdenzehnMuseen,JasenovacundTheresienstadt.Vladimir Mečiar in der Slowakei und Franjo Tuđman in Kroatien hatten in den 1990ern beide autoritäre Tendenzenmit Geschichtsrevisionismus inBezug auf die beiden NS-Satellitenstaaten „SlowakischeRepublik“und „Unabhängiger Staat Kroatien“ verknüpft, der im kroatischen Fall federführend durch den Historiker Tuđman selbst betriebenwurde. Die ‚Anrufung Europas‘ kann also in diesen beiden Län- dern,wieschonbeimungarischenHolocaust-Museum,alseinstrategischesSignal nach ‚außen‘ verstanden werden. Im Gegensatz dazu konnte sich Tschechien nachderWendeals einzigespostsozialistischesLandpositiv auf einedurchgän- gige demokratische Tradition in der Zwischenkriegszeit beziehen, anstatt einen NS-Satellitenstaat als ‚Meilenstein‘aufdemWegzurnationalenUnabhängigkeit darzustellen,wie das in der Slowakei und inKroatien der Fall war. Tschechien musste internationalnichtsbeweisenund ‚bedurfte‘daher auchkeinerOrientie- runganderdunklenÄsthetikvonHolocaustausstellungen.Diedreikleinenbalti- schen Staatenwaren hingegen als einzige der neuen EU-Mitgliedsländer zuvor 5 Fazit 277
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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