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Nicole
Föger156
2.4 »Conflict of interest«
Es ist notwendig, mögliche bestehende finanzielle oder auf Beschäftigungs-
verhältnissen beruhende Interessenskonflikte in Publikationen offenzulegen
(Erklärung von »Collision of Interests«), also wer etwa die Studie finanziert
hat. Kamen die Fördergelder zum Beispiel von der Industrie oder einer öf-
fentlichen Behörde? Oft nehmen die Auftraggeberinnen und Auftraggeber
auch Einfluss auf die Richtung des Forschungsprojekts oder im schlimms-
ten Fall sogar auf die Ergebnisse. Für Leserinnen und Leser und Zeitschrif-
ten muss die Quelle der Förderung der Forschung jedenfalls transparent
offengelegt werden.
Problematisch sind Interessenskonflikte vor allem bei Begutachtungen
von Publikationen, Förderprojekten oder auch Beförderungen oder der Ver-
gabe von wissenschaftlichen Preisen. Das sogenannte Peer-Review-Verfah-
ren funktioniert traditionell noch meist auf anonymer Basis, das heißt die
Namen der Gutachterinnen bzw. Gutachter werden nicht offengelegt. Das
führte in der Vergangenheit fallweise dazu, dass diese Anonymität miss-
braucht wurde, um Daten und Erkenntnisse aus den eingereichten For-
schungsprojekten und Manuskripten unberechtigterweise für den eigenen
Gebrauch zu verwenden. Manchmal oder oft (das tatsächliche Ausmaß ist
nicht bekannt) werden Projekte oder Manuskripte abgelehnt und deren Er-
kenntnisse von Begutachterinnen bzw. Begutachtern verwendet, um sie
selbst zu publizieren oder als Projekt einzureichen. Manchmal haben Re-
viewer auch einen persönlichen Interessenskonflikt. Dieser kann positiv oder
negativ sein, wenn sie die Arbeit einer befreundeten Kollegin oder eines Kol-
legen begutachten oder aber auch einer Konkurrentin oder eines Konkur-
renten. Interessenskonflikte müssen immer offengelegt werden, und das
möglichst früh im Begutachtungsverfahren.12
Um dieser Problematik zu begegnen, verwenden manche Zeitschriften
bereits Open Peer Review.13 Das bedeutet nicht nur, dass die Namen der Re-
viewer bekannt gegeben werden, sondern auch der Begutachtungsprozess
völlig transparent ist: Man kann nachverfolgen bzw. nachvollziehen, was die
Kritik der Gutachterinnen und Gutachter war und in wieweit die Autorinnen
12 Siehe auch Open Peer Review Oath, https://f1000research.com/articles/3-271
13 Siehe auch Tony Ross-Hellauer, »What is Open Peer Review? A Systematic Review«,
F1000Research 6 (2017), doi:10.12688/f1000research.11369.2
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Titel
- Publikationsberatung an Universitäten
- Untertitel
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Autoren
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Kategorie
- Medien