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Qualitätssicherung und Predatory Publishing in der Publikationsberatung 171
bei also um ein unseriöses bis betrügerisches Geschäftsmodell.21 Ende 2019
wurde von einer Gruppe aus 43 dem wissenschaftlichen Publikationswesen
nahestehenden Personen, darunter Vertreterinnen und Vertreter von Ver-
lagen, Förderorganisationen und akademischen Einrichtungen, Forschende,
Bibliothekarinnen und Bibliothekare, der Versuch unternommen, eine mög-
lichst allgemeingültige Definition von »Predatory Publishing« zu finden:
»Predatory journals and publishers are entities that prioritize self-interest at the
expense of scholarship and are characterized by false or misleading information,
deviation from best editorial and publication practices, a lack of transparency,
and/or the use of aggressive and indiscriminate solicitation practices.«22
Der Begriff »Predatory Publishing« wurde von Jeffrey Beall geprägt,23 einem
Bibliothekar an der Universität von Colorado. Beall fiel 2008 erstmals eine
steigende Zahl an E-Mails von Zeitschriften auf, die für die Einreichung
eines Papers oder die Mitgliedschaft in ihrem Editorial Board warben, deren
E-Mails jedoch zahlreiche grammatische Fehler aufwiesen.24 Seither wur-
den derartige Spam-Mails zu einem Massenphänomen, das nicht nur lästig
fällt und die Posteingangsordner von Forschenden überflutet, sondern zahl-
reiche problematische Aspekte und Risiken mit sich bringt.25
Die Autorinnen des vorliegenden Beitrags, die bereits einige online ver-
fügbare Papers publiziert haben, erhalten selbst ebenfalls regelmäßig der-
artige Mails. An Mailadressen von Forschenden zu gelangen und diese zu
sammeln, ist nicht schwer – sogenannte Webcrawler durchsuchen selbst-
ständig das Web auf öffentlich sichtbare Mailadressen, beispielsweise auf
Institutsseiten oder bei Online-Artikeln, bei denen die Kontaktdaten des
Corresponding Author angegeben sind.
21 Weitere Informationen zu Charakteristika von Predatory Journals siehe z. B. Kelly D.
Cobey et al., »What is a Predatory Journal? A Scoping Review«, F1000Research 7 (2018),
doi:10.12688/f1000research.15256.2
22 Agnes Grudniewicz et al., »Predatory Journals: No Definition, no Defence«, Nature 576,
Nr. 7786 (2019): 211, doi:10.1038/d41586-019-03759-y
23 Vgl. Declan Butler, »Investigating Journals: The Dark Side of Publishing«, Nature 495,
Nr. 7442 (2013), doi:10.1038/495433a
24 Ebd., 433.
25 Siehe hierzu z.
B. G. Richtig et al., »Problems and Challenges of Predatory Journals«, Journal
of the European Academy of Dermatology and Venereology 32, Nr.
9 (2018), doi:10.1111/jdv.15039
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Titel
- Publikationsberatung an Universitäten
- Untertitel
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Autoren
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Kategorie
- Medien