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Qualitätssicherung und Predatory Publishing in der Publikationsberatung 175
nicht ausreichend bekannt ist,31 sodass gar nicht erst das Bewusstsein vor-
handen ist bzw. der Verdacht aufkommt, es könne sich bei derartigen An-
fragen um ein unseriöses Publikationsmedium handeln.
Die Bewertung einer Zeitschrift anhand seines Editorial Boards ist da-
her, wie bereits in Abschnitt 1.3 angeführt, zwar ein wichtiges Evaluations-
kriterium für eine Zeitschrift, aber nicht immer ein zuverlässiger Hinweis
darauf, ob es sich um ein Predatory Journal handelt oder nicht.
Eine weitere gängige Praxis von Predatory Journals ist die Nennung dubio-
ser Metriken, deren Berechnungsmethoden weder transparent noch anerkannt
sind.32 Hier gilt es, bei der Evaluierung darauf zu achten, welche Metrik angege-
ben wird und ob diese vertrauenswürdig ist. Nennt eine Zeitschrift den (Jour-
nal) Impact Factor, der im wissenschaftlichen Publikationssystem derzeit die
bedeutendste Metrik darstellt,33 so kann über die Datenbank Web of Science34
rasch verifiziert werden, ob das Journal tatsächlich indexiert ist und damit einen
Impact Factor hat
– denn der Impact Factor wird nur für Zeitschriften ermittelt,
die in dieser Datenbank indexiert sind. Zahlreiche unseriöse Zeitschriften ge-
ben auf ihren Websites einen Impact Factor an, obwohl für sie jedoch in Wahr-
heit kein solcher ermittelt wurde, da sie nicht in Web of Science indexiert sind.
Neben einem Impact Factor und damit einer Indexierung in Web of Science
werben Predatory Journals häufig mit der Indexierung in zahlreichen weiteren
(Meta-)Suchmaschinen und Datenbanken, um Seriosität und wissenschaftliche
Qualität vorzutäuschen, darunter beispielsweise Google Scholar, WorldCat, Ze-
nodo und Sherpa/RoMEO. Viele (Meta-)Suchmaschinen sowie Datenbanken
führen jedoch selbst keine Qualitätskontrolle durch, sondern stellen lediglich die
Datensätze zur Verfügung. Sind derartige Rechercheportale genannt, ist also da-
rauf zu achten, ob für die Indexierung gewisse Qualitätskriterien erfüllt werden
müssen – wenn nicht, ist die Indexierung nicht aussagekräftig bzw. lässt keine
31 Diese Einschätzung beruht auf den Erfahrungen der Autorinnen des Beitrags bei Work-
shops und in Gesprächen mit Forschenden zum Thema Predatory Publishing.
32 Siehe hierzu z. B. Mehrdad Jalalian, »The Story of Fake Impact Factor Companies and how
we Detected Them«, Electronic physician 7, Nr. 2 (2015), doi:10.14661/2015.1069-1072
33 Der (Journal) Impact Factor wird allerdings in mehrfacher Hinsicht kritisch gesehen, sie-
he dazu z. B. Peng Dong, Marie Loh und Adrian Mondry, »The ›Impact Factor‹ Revisited«,
Biomedical digital libraries 2 (2005), doi:10.1186/1742-5581-2-7
34 https://www.webofknowledge.com. Die kostenpflichtige wissenschaftliche Datenbank
Web of Science, früher ISI Web of Knowledge, gehörte bis 2016 zu Thomson Reuters, seit-
her zu Clarivate Analytics.
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Titel
- Publikationsberatung an Universitäten
- Untertitel
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Autoren
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Kategorie
- Medien