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Ulrike
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Bei der Verrechnung von Lese- und Publikationsgebühren werden die Hy-
brid-APCs nach einem bestimmten Schlüssel mit den Ausgaben für den Le-
sezugriff auf die subskriptionspflichtigen Inhalte verrechnet. Die Verrech-
nung erfolgt dabei aus praktischen Gründen meist zeitversetzt in dem bzw.
den Folgejahren.
Als beispielhaft, weil besonders früh entwickelt, gilt das Modell von
Institute of Physics (IOP), das mit Jisc13 2014 den ersten Offsetting-Vertrag
abgeschlossen hat. Es zieht die APCs, die von einer Einrichtung bzw. deren
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern innerhalb eines bestimmten
Jahres für Open-Access-Artikel in Hybrid-Zeitschriften gezahlt wurden, im
darauffolgenden Jahr von den Subskriptionskosten ab. Und zwar sowohl auf
lokaler als auch auf globaler Ebene: Der größte Teil der gezahlten APCs wird
auf die Abonnementkosten der betreffenden Einrichtung selbst angerech-
net. Ein kleinerer Teil wird global verrechnet und reduziert die Subskrip-
tionskosten für alle Kunden von IOP weltweit.14
Eine andere Möglichkeit, Open-Access- und Subskriptionskosten aus-
zubalancieren, bietet Royal Society of Chemistry (RSC) seit zwei Jahren
mit ihrem vergleichsweise avancierten Read&Publish-Modell an:15 Die Teil-
nehmer zahlen für den Vertrag pro Jahr sowohl eine Lesegebühr (»Reading
Fee«) als auch eine Publikationsgebühr (»Publishing Fee«). Auf dieser Basis
13 Jisc, bis 2012 als Joint Information Systems Committee bekannt, erfüllt in Großbritannien
zahlreiche zentrale Aufgaben im Bereich digitaler Infrastrukturen und Ressourcen für
den Sektor der höheren Bildung, Wissenschaft und Forschung – so auch die der nationa-
len Lizenzierung. https:/www.jisc.ac.uk/, zuletzt geprüft am 17.1.2020.
14 Wie hoch der Prozentsatz ist, der lokal bzw. global verrechnet wird, hängt davon ab, wie
hoch der Anteil an Open-Access-Artikeln in den IOP-Hybrid-Zeitschriften insgesamt aus-
fällt. Wenn die Anzahl der Artikel einen bestimmten Prozentsatz übersteigt, erhöht sich
auch der Anteil, der global verrechnet wird. Auch in Österreich wurde noch 2014 ein ähnli-
cher Vertrag abgeschlossen. In Deutschland unterhält die Max-Planck-Gesellschaft einen
ähnlichen Offsetting-Vertrag, während das TIB-Nationalkonsortium in Deutschland ein
etwas anders gelagertes Modell ausgehandelt hat: Die beteiligten Einrichtungen er-
halten ein bestimmtes Kontingent an freien Artikeln, das auf Basis des Publikationsauf-
kommens aus den Vorjahren bestimmt wird. Vgl. Dana Vosberg und Alexander Pöche,
»Open-Access-Lizenzmodelle in der Praxis
– vier Verlage stellen sich vor«, zuletzt geprüft
am 28.01.2020, https://blogs.tib.eu/wp/tib/2019/07/02/open-access-lizenzmodelle-in-
der-praxis-vier-verlage-stellen-sich-vor/
15 https://www.rsc.org/journals-books-databases/open-access/read-and-publish/, zuletzt
geprüft am 13.12.2019.
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Titel
- Publikationsberatung an Universitäten
- Untertitel
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Autoren
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Kategorie
- Medien