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Stefan Schmeja, Marco
Tullney206
dass ab 2020 sogar alle wissenschaftlichen Publikationen zu Ergebnissen
öffentlich finanzierter Forschung frei zugänglich sein sollen.11 Da Open-Ac-
cess-Definitionen schwanken, ist es zudem wichtig, klare Definitionen zu
verwenden und unterschiedliche Open-Access-Klassifikationen transparent
anzuwenden. Hierbei ist auch zu berücksichtigen, dass mit politischen Vor-
gaben und offiziellen Berichten das Risiko für gezielte Um-Definitionen von
Open Access und für Ausweichmanöver steigt, um die eigenen Zahlen zu
verbessern, ohne tatsächlich mehr freien Zugang zu erreichen.12
Für Bibliotheken – und damit auch für die von ihnen unterstützten For-
schungseinrichtungen – sind Publikations- und Open-Access-Daten wichtig
bei der Unterstützung von Finanzierungs- und Erwerbungsentscheidungen.
Die Verteilung von Publikationen auf Verlage und Zeitschriften spielt eben-
falls eine wichtige Rolle. Insbesondere bei der Verhandlung von Open-Access-
Verträgen wird auf solche Daten zurückgegriffen: Für welche Verlage und
Zeitschriften werden prioritär Open-Access-Optionen verhandelt, um den
größten Nutzen zu erzielen? Ebenso wichtig sind diese Daten als Grundlage
für selbst abgeschlossene Publish-and-Read-Abkommen und andere Lizenz-
verträge mit Open-Access-Komponenten. Welche Kosten sind zu erwarten,
wenn auf ein publikationsoutputbasiertes Berechnungsmodell umgestellt
wird (z. B. im Kontext der deutschen DEAL-Verträge)? Da die Kostenan-
teile auch in Konsortien wie SCOAP³ zunehmend nach dem Publikations-
aufkommen und nicht mehr nach dem bisherigen Subskriptionsvolumen
verteilt werden sollen, ist eine Kenntnis des Publikationsaufkommens der
eigenen Einrichtung unerlässlich. Eventuell werden darüber hinaus auch
Erwerbungs- bzw. Bestandsfragen von den am häufigsten gewählten Publi-
kationsorten der eigenen Autorinnen und Autoren beeinflusst. Über Finan-
zierungs- und Erwerbungsentscheidungen hinaus liefern die Daten aus dem
11 Vgl. Alle wissenschaftlichen Artikel in Europa ab 2020 ungehindert zugänglich. Pressemittei-
lung der niederländischen EU-Ratspräsidentschaft vom 27.
Mai 2016. https://web.archive.
org/web/20160703021022/http://deutsch.eu2016.nl/aktuelles/nachrichten/2016/05/27/
alle-wissenschaftlichen-artikel-in-europa-ab-2020-ungehindert-zuganglich, zuletzt ge-
prüft am 10.01.2020.
12 Hier sind verschiedene Maßnahmen denkbar, von der Akzeptanz langer Embargofristen
(zwischen unfreier Erst- und freier Zweitveröffentlichung), der Ausklammerung be-
stimmter Publikationstypen, die uneinheitliche Selbsterfassung des Open-Access-Status
durch die Autorinnen und Autoren oder gar die Umdefinition von National- oder Konti-
nentallizenzen (geoblocking) zu »regionalem Open Access«.
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Titel
- Publikationsberatung an Universitäten
- Untertitel
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Autoren
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Kategorie
- Medien