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Gerald
Lind260
tegien zeigen:3 Doktorandinnen und Doktoranden ergeht es im Wissen-
schaftssystem nicht selten wie den beiden jungen Fischen in der Parabel des
US-amerikanischen Autors David Foster Wallace. Entgegen der öffentlichen
Rede von akademischer Meritokratie basieren wissenschaftliche Karrieren
nämlich nicht nur auf sich vor allem in hochrangigen Publikationen aus-
drückender Forschungsexzellenz (also den Schwimmkünsten). Erfolgreiche
Forschende verhalten sich selbstverständlich auch ihrem Umfeld entspre-
chend, also nach den in Lehrveranstaltungen kaum vermittelten (impliziten)
Regeln, (subkutanen) Strukturen und (sozialen) Verhaltenscodes des Wis-
senschaftssystems. Kurz gesagt: Sie wissen über das Wasser, in dem sie sich
bewegen, Bescheid.
Zu diesen für die meisten Doktorandinnen und Doktoranden oft nicht
transparenten Aspekten des Wissenschaftssystems gehören aus meiner
Sicht (teils) inoffizielle/informelle Beziehungssysteme, die mit der Vergabe
von Stellen, der Anbahnung von Forschungskooperationen und dem Zu-
gang zu Publikationsmöglichkeiten (wie Co-Autorenschaften von Papers)
verbunden sind. Auch in wissenschaftspolitische, institutionenstrategische
und pekuniäre Zusammenhänge und davon beeinflusste Entscheidungs-
findungsprozesse sind Doktorandinnen und Doktoranden in der Regel nicht
eingebunden. Die universitären Räumen eingeschriebene Ambivalenz zwi-
schen institutionalisierter akademischer Macht und der Freiheit von For-
schung und Lehre ist für Nachwuchsforschende oft nur diffus und indirekt
über Bemerkungen von Betreuenden sowie Mentorinnen und Mentoren
wahrnehmbar.4
Neben diesen strukturbildenden Elementen des Wissenschaftssystems
gibt es zudem Faktoren, die (meist) unsichtbar bleiben, aber von hoher Re-
levanz für Forschungskarrieren werden können. Dazu zählen die Rolle, die
nach Max Weber dem »Zufall« bei wissenschaftlichen Karrieren zukommt,5
und – da der »Zufall« nicht immer zufällig ist – die verbesserten akademi-
3 Ich bin seit 2011 für die Beratungseinrichtung DocService, seit 2016 außerdem für die Doc-
toral Academy Graz (beide Universität Graz) co-verantwortlich.
4 Vgl. hierzu den von Doris Pany und mir herausgegebenen Essayband: Doris Pany und
Gerald Lind, Hg., Ambivalenzraum Universität, Relationen. Essays zur Gegenwart 4 (Berlin:
Neofelis Verlag, 2016).
5 Max Weber, »Wissenschaft als Beruf«, in Wissenschaft als Beruf 1917/1919. Politik als Beruf
1919, hg. v. Max Weber und Wolfgang J. Mommsen, Studienausgabe der Max-Weber-Ge-
samtausgabe Schriften und Reden 17 (Tübingen: Mohr, 1994), 1–23, 3 und 5.
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Titel
- Publikationsberatung an Universitäten
- Untertitel
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Autoren
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Kategorie
- Medien