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Publizieren und Promovieren 261
schen Startbedingungen, die mit einer gehobenen sozialen Herkunft zu tun
haben. So können in Deutschland nur 0,5 % der Bevölkerung der Oberschicht
zugeordnet werden, 22,9 % der Wissenschaftselite stammen jedoch aus die-
ser Bevölkerungsgruppe.6
Die Wahrnehmung nicht-meritokratischer Auswahlmomente, zu denen
übrigens auch emotionale Besetzungen wie Sympathie, Homophilie oder
Antipathie gehören, wird dabei von einem hegemonialen Vernunftimpe-
rativ erschwert. An Universitäten, so impliziert dieser, werden Entschei-
dungen im Unterschied zu weniger verwissenschaftlichten Arbeitsfeldern
stets »objektiv« und nicht »biased« getroffen.7 Gerade im Bereich wissen-
schaftlichen Publizierens, so die Auffassung so mancher Doktorandin, so
manches Doktoranden, sind ausschließlich messbare fachliche Kriterien
entscheidend.
Die Vermittlung impliziten Wissens über Strukturen und Verfahren des
Wissenschaftssystems ist nun tatsächlich nicht Teil einschlägiger Curricu-
la. Studienprogramme auf Bachelor- und Masterlevel konzentrieren sich in
erster Linie auf die Vermittlung kanonisierten Wissens des jeweiligen Fach-
bereichs. Doktoratsstudien dienen der forschungsnahen Ausbildung von
Doktorandinnen und Doktoranden, »who make a key contribution to the
creation of new knowledge.«8 Die Zugehörigkeit zu akademischen In- und
Outgroups, so wird Studierenden suggeriert, hat ausschließlich mit (mess-
baren) wissenschaftlichen Leistungen zu tun.
Bei den von mir an der Universität Graz angebotenen Kursen für Dokto-
randinnen und Doktoranden – »Academic Publishing«, »Publishing for the
6 Vgl. Anja Kühne, »Die Ultra-Elite stammt aus bestem Haus«, Tagesspiegel, 17.07.2015, zuletzt
geprüft am 21.11.2019, www.tagesspiegel.de/wissen/exzellente-oberschicht-die-ultra-eli
te-stammt-aus-bestem-hause/12067856.html. Kühne referenziert Angela Graf, Die Wissen-
schaftselite Deutschlands: Sozialprofil und Werdegänge zwischen 1945 und 2013 (Frankfurt a.
M.:
Campus, 2015).
7 Vgl. hierzu meinen Aufsatz: Gerald Lind, »›Vernunft ist nur selten vernünftig‹: Vom Um-
gang mit Gefühl und/oder/als Vernunft im Wissenschaftssystem«, in Wissenskulturen der
Musikwissenschaft: Generationen – Netzwerke – Denkstrukturen, hg. v. Sebastian Bolz et al.,
Musik und Klangkultur 16 (Bielefeld:
transcript, 2016), 159–173.
8 European University Association (EUA), Salzburg II Recommendations. European Universities’
Achievements Since 2005 in Implementing the Salzburg Principles (European University Asso-
ciation, 2010), 4. Das Zitat stammt aus den in dieser Broschüre abgedruckten Salzburg Re-
commendations von 2005.
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Titel
- Publikationsberatung an Universitäten
- Untertitel
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Autoren
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Kategorie
- Medien