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Entwicklung von Policies und Strategien 377
Verbindlichkeitsstufen sind: »Die Universität empfiehlt …«, »… sieht vor …«,
»… empfiehlt mit Nachdruck …«, »… fordert ihre Wissenschaftler auf …«, »…
er-
wartet von ihren Wissenschaftlern …«, »… verpflichtet ihre Wissenschaft-
ler …«. Die sprachlichen Variationen sind vielfältig und entscheiden maß-
geblich über die Bedeutung bzw. das Gewicht der Policy.
Verpflichtende Policies sind äußerst selten, da sie ja im »laufenden Be-
trieb« allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern quasi aufgezwun-
gen werden. Das würde ein Eingreifen in bestehende Arbeitsverträge, Ziel-
und Leistungsvereinbarungen bedeuten und wird in der Regel aus diversen
Gründen, wie z. B. dem Arbeitsrecht, nicht möglich sein. Eine Verpflichtung
zu Open Access ist daher nur bei der Neuvergabe von Mitteln möglich und in
der Praxis nur bei der Vergabe von Forschungsförderungen durch nationale
Forschungsförderer oder die EU umsetzbar.
Policies stehen in einem internationalen Kontext und reflektieren Ver-
änderungen wie etwa die zunehmende Etablierung von Open Access oder
die Definition von Forschungsdatenmanagement als Gute wissenschaftliche
Praxis. So wurde an der Universität Graz 2013 erstmals eine Open Access Po-
licy beschlossen. Im Jahr 2019 wurde
– gemeinsam mit der Forschungsdaten-
management-Policy und in Zusammenhang mit einer Publikationsstrategie
–
eine überarbeitete und erweiterte Open Access Policy veröffentlicht, die den
aktuellen Entwicklungen und erweiterten Angeboten Rechnung trägt.10
Policies skizzieren häufig einen Wunschzustand, der mehr oder weniger
weit von der aktuellen Praxis entfernt liegen kann. Sind sie zu ambitioniert
oder zu wenig verbindlich, besteht die Gefahr, dass sie wenig wahrgenom-
men werden und die erwünschte Verhaltensänderung nicht stattfindet. Auch
ein Beschluss ohne ausreichende Kommunikation oder nachfolgende Defi-
nition von (Zwischen-)Zielen und Regeln führt häufig dazu, dass Policies in
der Praxis wenig Niederschlag finden. Andererseits können sie im positiven
Fall die Wahrnehmung eines Themas verändern und Missstände oder erstre-
benswerte Ziele ins Bewusstsein rufen, wie das vielfach im Fall von »Plan S«
oder Forschungsdatenmanagement-Policies passiert. Policies können mit-
unter nachfolgende Prozesse auslösen, um eine Übereinstimmung mit dem
gewünschten Zustand zu erreichen – gut sichtbar z.
B. an der Forschungs-
10 Open Access Policy und FDM-Policy der Universität Graz sind unter https://strategische-
entwicklung.uni-graz.at/de/strategieumsetzung/publikationsstrategie-open-access/
abrufbar, zuletzt geprüft am 14.01.2020.
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Titel
- Publikationsberatung an Universitäten
- Untertitel
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Autoren
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 398
- Schlagwörter
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Kategorie
- Medien