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Rausch der Verwandlung
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einen Augenblick Ruhe, Freude, keinen Urlaub und kein Ausruhen.« »So, keinen Urlaub. Aus der Schweiz kommt sie, aus den nobelsten Hotels, und da will sie sich beklagen.« »Ich habe mich bei niemand beklagt, nur dich habe ich klagen gehört während dem ganzen Krieg. Das mit der Schweiz … Gerade weil ich’s gesehen habe, kann ich mitreden. Jetzt erst weiß ich, was … was man uns genommen hat … wie man unser Leben zugerichtet hat … was ich für … « Sie wird plötzlich unsicher, Sie spürt, der fremde Mensch blickt sie eindringlich und erregt an. Verlegen spürt sie, daß sie vielleicht schon zuviel von sich verraten habe, und dämpft den Ton. »Ich möchte mich natürlich nicht vergleichen, natürlich haben die andern mehr mitgemacht. Aber jeder von uns hat genug, jeder für seinen Teil. Ich habe nie etwas gesagt, nie bin ich jemand zur Last gefallen, nie habe ich mich beklagt. Aber wenn du mir sagst … « »Ruhig Kinder! Nur keinen Streit«, schiebt sich Franz dazwischen. »Was habt ihr denn davon, wir vier werden es hier nicht gutmachen. Nur keine Politik, da kommt man immer gleich gegeneinander. Reden wir doch von etwas anderm, und vor allem laßt mir meine Freude. Ihr wißt ja gar nicht, wie mir’s wohltut, daß ich ihn da wieder neben mir sehe, und wenn er noch so schimpft und mich zusammenrüffelt, ich freue mich doch.« Es wird wieder Friede zwischen den paar Menschen und wie nach einem Gewitter kühlere Luft. Einen Augenblick genießen sie alle das Schweigen, diese Entspannung, dann erhebt sich Ferdinand vom Sessel: »Ich muß jetzt gehen, ruf mir noch einmal deine Buben herein, ich möchte mir sie gern noch einmal anschauen.« Die Kinder werden gebracht, sie schauen neugierig und verwundert auf den fremden Mann. »Das ist der Roderich, das Vorkriegskind. Von dem weiß ich. Und da der zweite, der Baux, sozusagen der Posthumus, wie heißt er?« »Joachim.« »Joachim! Hätte er nicht eigentlich anders heißen sollen, Franz?« Franz erschrickt. »Mein Gott, Ferdl. Ganz habe ich daran vergessen. Denk dir, Nelly, daß mir das nicht eingefallen ist, wir haben uns versprochen, daß wir einer den andern als Paten nehmen, wenn wir noch einmal zurückkommen und ein Kind kriegen. Ganz hab’ ich vergessen daran. Du bist mir doch nicht böse?« »Mein Lieber, ich glaube, wir zwei können einander nie mehr böse sein. 140
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Rausch der Verwandlung
Titel
Rausch der Verwandlung
Autor
Stefan Zweig
Datum
1982
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
204
Kategorien
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