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Rausch der Verwandlung
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durcheinander, fremde Stimmen sind da, die nicht zum Haus gehören, fremde Knöchel, die hämmern an die Türen und klopfen, harte Schritte statt der bloßen und unbeschuhten. Etwas ist geschehen. Eine Frau schreit wild, Männer streiten laut und erregt, irgend etwas fällt um, ein Sessel, draußen poltert ein Automobil. Durch das ganze Haus muß die Erregung beben, über der Decke hört Christine rasche Schritte gehen, nebenan spricht der Betrunkene laut und ängstlich zu seiner Freundin, auch rechts und links nebenan rückt ein Sessel, schnarrt ein Schlüssel, vom Keller bis zum First surrt das enge Haus, jede Zimmerwabe des menschlichen Bienenkorbs. Ferdinand kommt zurück, blaß, nervös, zwei scharfe Falten schneiden rechts und links um den Mund. Er bebt vor Erregung. »Was ist?« fragt Christine, noch ins Bett gekauert. Als er jetzt Licht macht, erschrickt sie, daß sie halbnackt ist, und sie zieht unwillkürlich die Decke hoch. »Nichts«, fährt es wie ein böser Pfiff durch die Zähne. »Eine Streife, sie kontrollieren das Hotel.« »Wer?« »Die Polizei!« »Kommen sie auch zu uns?« »Vielleicht, wahrscheinlich. Aber hab keine Angst.« »Können sie uns etwas tun?… Weil ich mit dir bin?… « »Nein, hab keine Angst, ich habe meine Legitimation mit mir, und unten habe ich mich richtig gemeldet, habe keine Angst, ich mache schon alles ab. Ich kenne das vom Männerheim in Favoriten, wo ich wohnte, es ist nur eine Formalität… Allerdings… « wieder wird sein Gesicht ganz dunkel und kantig, »allerdings, diese Formalitäten gelten immer nur für uns. Und manchmal brechen sie einem armen Teufel den Hals. Nur unsereinen stöbern sie auf in der Nacht, nur uns hetzen sie wie die Hunde herum… Aber keine Angst, ich bringe schon alles in Ordnung, nur … zieh dich an jetzt… « »Mach dunkel.« Noch immer schämt sie sich, sie braucht alle Kräfte, um die paar leichten Dinge überzuziehen. Blei liegt in ihren Gelenken. Dann setzen sie sich wieder hin auf das Bett, es ist keine Kraft mehr in ihr. Von der ersten Sekunde in diesem gräßlichen Haus hat sie es wie ein Gewitter von Angst über sich gespürt, jetzt ist es da. Immer wieder kommt von unten dieses Klopfen. Sie gehen das Parterre ab, man hört es von Zimmer zu Zimmer. Immer wenn der fremde Knöchel unten an das harte Holz pocht, spürt sie den Stoß bis in das erschrockene Herz. Er 162
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Rausch der Verwandlung
Titel
Rausch der Verwandlung
Autor
Stefan Zweig
Datum
1982
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
204
Kategorien
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