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Episode 2: Der Einbruch
Leitgedanke 1: Instrumentelle Gerechtigkeit
Es ist sehr schwierig, eine Definition von Gerechtigkeit zu geben, vielleicht ist es einfacher
zu definieren, was gerecht und ungerecht innerhalb eines Systems mit gemeinsamen Re-
geln bedeutet. In der Geschichte des westlichen Denkens brachen die Sophisten mit der
Vorstellung von der engen Beziehung zwischen Natur (physis) und politischen Gesetzen
(nomos), wie sie bei den alten Griechen existierte, die als einziger positiver Weg gesehen
wurde. Aus diesem Grund beziehen wir uns oft auf einen Begriff von Gerechtigkeit im
Sinne einer Sammlung positiver Regeln, die menschliche Verhaltensweisen regulieren und
zwischen diesen zu unterscheiden helfen.
Nichtsdestotrotz gibt es verschiedene Typen und Systeme von Normen. In manchen
Fällen regulieren Normen Verhaltensweisen, die erlauben ein Ziel zu erreichen und die Be-
dürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen. Jeder Gesellschaft entspricht ein unterschied-
liches System von Normen, d.h. was in einem normativen System legitim ist, muss nicht
in einem anderen legitim sein.
Zum Beispiel, nehmen wir verschiedene soziale Gruppen von Bürgerinnen und Bür-
gern an, wie etwa Seemänner oder Kriminelle. In all diesen Gemeinschaften ist es op-
portun, dass die Verhaltensweisen jenen Normen angepasst sind, die es erlauben, die
Gemeinschaft innerhalb der Gruppe zu erhalten und deren Ziele zu erreichen. In einem
solchen System von Normen werden diese Verhaltensweisen als „richtig“ aufgefasst. Aber
die Natur und die Ziele der verschiedenen sozialen Gruppen sind verschieden. In einem
System von Normen, die eine Gruppe von Kriminellen steuert, können manche Verhal-
tensweisen, die diesem System angepasst sind, als „richtig“ aufgefasst werden. In dem
System von Normen, die eine Zivilgesellschaft reguliert, könnten diese Verhaltensweisen
nicht als „richtig“ aufgefasst werden.
Daher können wir fragen: Gibt es also universell richtige Verhaltensweisen? Oder
gibt es eine Pluralität von normativen Systemen, die den Menschen erlauben, in jedem
spezifischen Fall zu unterscheiden, was richtig ist und was nicht? Wenn Gerechtigkeit
als Prinzip verstanden wird, das uns unsere Verhaltensweisen zu beurteilen und zu ori-
entieren erlaubt, ist es dann normativ oder instrumentell? Und wenn es instrumentell ist,
ist das, was für eine Gruppe gerecht ist, dann auch für eine andere Gruppe gerecht? Ist
es möglich, die Beziehungen zwischen verschiedenen „instrumentellen Gerechtigkeiten“
von verschiedenen Gruppen zu variieren? Würde dies wiederum eine Art von instrumen-
teller Gerechtigkeit bedeuten oder würde sie sich auf ein höheres Ideal beziehen? Könnte
ein solches Ideal, wenn es existiert, nicht nur die Beziehungen zwischen verschiedenen
„instrumentellen Gerechtigkeiten“ bestimmen, sondern auch deren Ansprüche limitieren?
Und wenn ja, sollte ein solches Ideal dies auch tun? Diese Fragen sind in einem Kontext
verschiedener Kulturen, die verschiedene Interpretationen von Gerechtigkeit und instru-
menteller Gerechtigkeit haben, sehr wichtig.
Über „Gerechtigkeit“ können Sie auch in den Handbüchern Tina und Amir, Episode
4, Leitgedanke 3 „fair – unfair“, Übung „Was ist fair“, Hanadi, Episode 2, Leitgedanke
2 „Reziprozität, Gegenseitigkeit und Anerkennung“, Aktivität/Übung „Gegenseitig-
keit“ und Christian, Episode 5, Leitgedanke 1 „Gerechtigkeit – etwas benötigen,
etwas verdienen“, Aktivität/Übung und Diskussionsplan „Eine Sache verdienen und
gerecht sein“ und Aktivität „Was sind Kriterien, um gerecht zu handeln?“ weitere
Anregungen finden.
Reflexiver Kosmopolitanismus
Entwicklung einer Forschungsgemeinschaft durch den philosophischen Dialog
- Titel
- Reflexiver Kosmopolitanismus
- Untertitel
- Entwicklung einer Forschungsgemeinschaft durch den philosophischen Dialog
- Herausgeber
- Ediciones La Rectoral
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-SA 4.0
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 190
- Kategorien
- Lehrbücher PEACE Projekt