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schen Firma notwendig.1375 Folglich reisten die meisten Ausländer*innen
irregulär ein;1376 unter Umständen war der Erwerb eines Touristenvisums
zur regulären Einreise möglich, jedoch wurden diese Personen spätestens
nach Ablauf der befristeten Aufenthaltsdauer irregulär aufhältig. Daneben
waren die Ausweisungstatbestände derart offen formuliert, dass die zustän-
digen Behörden durch den großen Ermessensspielraum1377 hiervon jeder-
zeit Gebrauch machen konnten.1378
Obwohl das LOE eine restriktive Rechtsordnung für Ausländer*innen
geschaffen hatte, konnte dadurch der Anstieg der Einwanderung nicht ver-
hindert werden. Ganz im Gegenteil hat die Einwanderung bedingt durch
zahlreiche weitere Faktoren ab Ende der 1980iger Jahre bis zum Höhe-
punkt im Jahr 2005 enorm zugenommen.1379 Neben dem Anstieg in abso-
luten Zahlen, stieg die Anzahl irregulär aufhältiger Ausländer*innen eben-
so. Der wirtschaftliche Boom, der ab Ende der 1990iger Jahre eingetreten
ist, hat zu einem erhöhten Bedarf an billigen Arbeitskräften etwa im Bau-
oder Agrarsektor geführt, die mehrheitlich durch die ausländische Bevöl-
kerung abgedeckt wurden.1380 Viele von diesen Jobs wurden und werden
immer noch von irregulär aufhältigen Ausländer*innen ausgeübt, die in
der Regel undokumentiert beschäftigt sind. Sabater/Domingo führen hier-
bei zutreffend aus, dass diese nicht als Problem, sondern als Notwendig-
keit für den Erhalt der florierenden Wirtschaft angesehen wurden.1381 Alles
in allem war bzw ist Spanien als Einwanderungsland für neuankommende
Ausländer*innen besonders attraktiv, wie González-Enríquez ausführt:
„First, there is the existence of this strong and rather vibrant informal
economy where irregular migrants can find employment. Second, the rela-
tively positive social attitudes towards immigrants, in comparison with
other European countries, third, the traditional tolerance towards illegality
embedded in South European political culture, and, fourth, the treatment
of social rights for irregular immigrants in Spanish laws. Since year 2000
irregular migrants enjoy free access to the public health system and to edu-
cation (from 3 to 16 years) in the same conditions as Spaniards or regular
1375 Vgl Solanes Corella, Revista del Ministerio de Trabajo e Inmigración 2010, 79.
1376 Vgl Solanes Corella, Revista del Ministerio de Trabajo e Inmigración 2010, 82.
1377 Vgl Solanes Corella, Revista del Ministerio de Trabajo e Inmigración 2010, 79.
1378 Vgl Aja in Aja/Arango 21f und Fernández Pérez, Derechos fundamentales 126.
1379 Vgl Moya Malapeira, La evolución de control migratorio de entrada en España
in Aja/Arango (Hrsg), Veinte Años de Inmigración en España: Perspectiva
jurídica y sociológica (1985-2004) (2006) 47 (47).
1380 Vgl Iglesias Martínez, Estudios Empresariales 2015/2 Nr148, 2ff.
1381 Sabater/Domingo, International Migration Review 2012/46, 215.
Kapitel 4 – Der erforderliche Kontext für den integrierten Rechtsvergleich
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https://doi.org/10.5771/9783748902720, am 28.01.2020, 12:12:37
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
Regularisierungen irregulär aufhältiger Migrantinnen und Migranten
Deutschland, Österreich und Spanien im Rechtsvergleich
- Titel
- Regularisierungen irregulär aufhältiger Migrantinnen und Migranten
- Untertitel
- Deutschland, Österreich und Spanien im Rechtsvergleich
- Autor
- Kevin Fredy Hinterberger
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-0272-0
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 514
- Kategorie
- Recht und Politik