Seite - 462 - in Regularisierungen irregulär aufhältiger Migrantinnen und Migranten - Deutschland, Österreich und Spanien im Rechtsvergleich
Bild der Seite - 462 -
Text der Seite - 462 -
Recht jeweils eine Regularisierung für Menschenhandelsopfer bzw für
Frauen, die Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt geworden sind, nor-
miert. Die erste setzt die MenschenhandelsopferRL vorbildlich um und die
zweite bietet für das Problem der Gewalt an ausländischen Frauen ein leis-
tungsfähiges, aufenthaltsrechtliches Schutzregime. Die sehr ähnlich ausge-
stalteten befristeten Aufenthaltsberechtigungen und Arbeitserlaubnisse
weisen ein besonders ausgeklügeltes Verfahren auf, das sich sehr stark an
den Bedürfnissen der Opfer orientiert. Dieses ist in mehrere „Phasen“ ge-
gliedert, die die Identifikation der Opfer und gleichsam die Erteilung einer
„vorläufigen Aufenthaltsberechtigung und Arbeitserlaubnis“ ermöglicht
sowie unter Umständen eine Verwaltungsstrafbefreiung vorsieht.
Das deutsche Recht ist ebenso ausdifferenziert wie das spanische und
weist zahlreiche Regularisierungen auf. Hervorzuheben sind die „Aufent-
haltserlaubnis bei nachhaltiger Integration“ und die „Aufenthaltserlaubnis
für gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende“, die sich beide aus
Art 8 EMRK ableiten lassen und Geduldeten erteilt werden können. Die
deutsche Gesetzgebung hat derart erstmals eine alters- und stichtagsunab-
hängige Aufenthaltsperspektive für diese Zielgruppe eingeführt, was auf-
grund der andauernden Problematik der „Kettenduldungen“ eine zweck-
mäßige Herangehensweise ist.
Eine Regularisierungsrichtlinie der EU (Kapitel 6)
In Kapitel 6 wurde eine RegularisierungsRL der EU vorgeschlagen, ob-
wohl ein derartiger Unionsakt derzeit realpolitisch unrealistisch erscheint.
Trotz der politischen Gegebenheiten halte ich es für sinnvoll, einen leis-
tungsfähigen Rechtsakt, der die derzeitige Einwanderungspolitik der EU
ergänzen würde, näher zu beschreiben.
Zum Anfang dieses Kapitels hat sich die Frage aufgedrängt, ob die in
Kapitel 3 analysierten unionsverfassungsrechtlichen Aufträge und die pri-
märrechtlichen Kompetenzbestimmungen nicht (implizit) sogar eine kom-
plementäre Neuausrichtung der EU-Einwanderungspolitik in Bezug auf ir-
reguläre Einwanderung verlangen. Im Speziellen beziehe ich mich hierbei
auf den irregulären Aufenthalt. Das Streben der EU nach einer höheren
Wirksamkeit von Rückführungen steht im Einklang mit dem AEUV, doch
ist gleichzeitig anzuerkennen, dass die bisher getätigten Maßnahmen die
Anzahl irregulär aufhältiger Migrant*innen nicht signifikant verringern
bzw nur beschränkt wirksam sein konnten. Die mangelhafte Rechtsdurch-
setzung von Rückführungen zeigt den Handlungsbedarf der EU im
F.
Überblick der wichtigsten Forschungsergebnisse
462
https://doi.org/10.5771/9783748902720, am 28.01.2020, 12:12:37
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
Regularisierungen irregulär aufhältiger Migrantinnen und Migranten
Deutschland, Österreich und Spanien im Rechtsvergleich
- Titel
- Regularisierungen irregulär aufhältiger Migrantinnen und Migranten
- Untertitel
- Deutschland, Österreich und Spanien im Rechtsvergleich
- Autor
- Kevin Fredy Hinterberger
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-0272-0
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 514
- Kategorie
- Recht und Politik