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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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einer Anfrage bei ThomasMann riet er ab, obwohl Essigmann einenBeitrag des deutschen Schriftstellers befürwortet und als symbolischen Gewinn für die Zeit- schrifterachtethätte.Generell scheintdieResonanzbeidenangefragtenAkteuren nicht sonderlich groß gewesen zu sein, sahen sich dieHerausgeber doch bemü- ßigt, in der Vorankündigung ihrer Zeitschrift festzuhalten: „Mit anderen unserer Großen, die durch die Ungunst der Verkehrsverhältnisse schwerer zugänglich sind, schweben aussichtsreiche Unterhandlungen.“166 Gemeint ist hier der nach Kriegsende zum Erliegen gekommene postalische Verkehr. Doch nicht nur technischeHindernisse, auchSchaukalsAnimositätenwaren fürdieRekrutie- rung oder Ablehnung von Beiträgern für Das Gewissens ausschlaggebend. Auch einemögliche Anfrage bei Gerhart Hauptmann (1862–1946) wurde dis- kutiertund–aufgrundSchaukalsablehnenderHaltung–verworfen.167 Schaukals Reaktionen als Schriftsteller und Beamter auf die Gründung der Republik stehen ganz im Zeichen seiner zunehmenden Politisierung, wie noch ausführlicherzuzeigenseinwird.DerKontaktzuEssigmannundseineMitarbeit amGewissenveranschaulichenersteEtappen jenerneuenVerbindungvonpoliti- schem Engagement und schriftstellerischen Bestrebungen. Nachdem Schaukal Essigmann eine Liste potentiellerMitarbeiter für das Blatt hatte zukommen las- sen,reagiertederGründerverwundert: DieListeweist ja fastnurPolemikerauf!Bitte lassenSiedem„Gewissen“auchetwasvon demDichter Schaukal zukommen. Ich begreife, dass die bewegte Zeit den Polemiker in Ihnenaufwühlt, aberdasG.mussgleich imAnfangzeigen,dassesmindestenszurHälfte auchderSchönenLiteraturgehört.168 Essigmannbekräftigte immerwieder seinAnliegen, dass auchdichterischeEr- zeugnisse Platz im Gewissen einnehmen müssten und die politischen Essays keinÜbergewicht haben sollten. „Sie haben kein polemisches Talent!“, so der Schriftleiter inallerDeutlichkeit.169 Die Existenz vonDas Gewissen standmit seiner Gründung bereits auf der Kippe, zumeinenwegenderPapierknappheit, dannaufgrundder allgemeinen Teuerung und nachlassenden Kaufkraft, nicht zuletzt auch wegen der an- dauernden Kohlennot in der unmittelbaren Nachkriegszeit.170 Möglich, dass auch programmatische Unstimmigkeiten zwischen Schaukal und Essigmann zumScheiterndesZeitschriftenprojektsbeigetragenhaben. 166 Anzeige in:Buchhändler-Correspondenz,Nr.9/1919 (26.Februar 1919),S. 125. 167 Vgl.denBriefEssigmannsanSchaukal, 17. Januar1919,S-NL,WB. 168 BriefEssigmannsanSchaukal,4. Januar1919,S-NL,WB. 169 BriefEssigmannsanSchaukal, 13. Januar1919,S-NL,WB. 170 Vgl.denBriefEssigmannsanSchaukal,3. Januar1919,S-NL,WB. 2 PublizistischeNetzwerke 133
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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