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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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und in seinem „Aesthetentum [. . .] gründlicher, radikaler alsmancher andere“ sei.DieVerbindungvon jenenMerkmalen,dieBourdieu inobjektivierteund in- korporierte unterteilt, lag für denVerfasser des Artikels in SchaukalsWunsch begründet, die schöne Form der Literatur auf alle Lebensbereiche auszudeh- nen: „Erwill nicht bloß eine schöne Prosa schreiben, sondern auch die Hand mitdenwohlgepflegtenFingernägeln,diedieseProsaschreibt, soll auchschön sein.“189 Eine Zeitschrift von großer Reichweite, die sich ebenfalls kritisch mit Schaukals gesellschaftlicher Rolle auseinandersetzte, war die sozialdemokrati- scheArbeiter-Zeitung, dieam9.April 1908dasNostalgiebuchGroßmutter rezen- sierte. Die literaturkritische Betrachtung entwickelt sich zu einer ideologisch durchdrungenenAnalyse vonSchaukals elitäremDichterhabitus. Der anonyme Verfassermokiert sich über den larmoyanten Ton vonGroßmutter, die Vergan- genheitsverklärungseiAusdruckeiner„Melancholieder Impotenz“, dieVerglei- che zwischender guten alten Zeit undderGegenwart seien schlichtweg schief. Dennals„TypusderVergangenheitwirdnämlichgewöhnlichdasMitgliedeiner ruhigen, reichen Patrizierfamilie hergenommen, dem dann ein Proletar [sic!] vonheute gegenübergestelltwird.“190 Schaukal zeichne somit nichtmoralische oder gesellschaftliche Entwicklungen nach, sondern entwerfe ein negatives TelosdersoziostrukturellenTransformationseitdemEndedes19. Jahrhunderts. Es stelle sichdieFrage, soderVerfasserweiter,warumSchaukal inGroßmutter keinKapitelüberdasLesenverfassthabe,zumal ihmdie„Lesefreude“wohlver- leidetwordensei,„seit sieganzdemokratisiert ist“,denn: Der Dandy empfindet ja nur jenen Genuß, der einem gesellschaftlichen Vorrecht ent- springt. Welche Ströme von Behagen fließen aber aus Büchern mitten ins Volk! Das Lesen, einvielhöhererGenußalsdasTheater [. . .], istnunwirklich längst eindemokrati- schesVergnügengeworden,undzwardasedelste. SeitGroßmuttersZeitenhat sichdarin freilichvielgeändert–abernichtzumSchlimmeren.191 Die Kritik endet mit der Bemerkung, dass von Schaukal momentan viel die Redesei,weil er„MitarbeiteransämtlichendeutschenZeitungen ist.“Derdich- tendeMinisterialbeamtewar also nicht nur aus einer ästhetischenAbwehrhal- tung heraus zum Feindbild der Arbeiter-Zeitung avanciert, er wurde auch aufgrundseineskulturpolitischenWirkensalsBedrohungwahrgenommen.Die 189 M.N–r.:EinEigenbrötlerderModernen,S. 16. 190 st. gr.:DieBücherdesdeutschenHauses. In:Arbeiter-Zeitung,Nr. 99/1908 (9.April 1908), S. 1–2. 191 st.gr.:DieBücherdesdeutschenHauses. 138 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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