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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Auch in einem im Jahr darauf verfassten Brief zählte Zweig Richard Schaukal zudenüberschätztenDichternderGegenwart.DasSchreibengreift die–mehr Hesse als Zweigbetreffende–VerunsicherungeinerDichtergenerationauf, die mitdemgeschriebenenWort ihreExistenz sichern,dabei aberkeinemoralisch- ästhetischenAbstrichemachenwollte: HermannHesse ist heute einerder Ersten inDeutschland, ein JungerundGroßer,mehr Dichter als Holz und Bierbaum und Schaukal und Otto Ernst und alle, die heute mit klappernden Glockenschwengeln ins Land geläutet werden. Sind das nicht auch Er- folge,wennFischer einenRomanacceptiert? Ichwollte ichwäre schon soweit!Wollen Siematerielle Erfolge? Auch diesewerden nicht ausbleiben, denn Ihre Bücherwerben Freunde; dieGabe, die Siemirmit IhrenWerkengespendet haben, hat schonvierfache Zinsen getragen, hat Ihnen vier Exemplare abgesetzt und achtfache, zwanzigfache Be- wunderungundVerehrunggebracht. IchweißFreunde,dieVersevon Ihnenauswendig können– ichkannauchnichtwenige–undsie recitieren,wennmanvongutenWerken spricht. Ichglaube,Sie sitzenzusehr imSchwarzwald,umdasalleszuwissen.206 WieHesse standauchZweigamBeginneinergroßenKarriere, diedurchseinGe- schickalsNetzwerker,durchdiegroßbürgerlicheHerkunftundnichtzuletztdurch seinTalentalsÜbersetzerundSchriftstellerbegünstigtwurde.Seit 1906warermit eigenenWerken sowie als Herausgeber undÜbersetzer Autor des renommierten Insel-Verlags–das Sehnsuchtsziel der dichterischenAmbitionenRichard Schau- kals. Umso erstaunlichermutet dessen erste Reaktion an, als Zweig im Frühjahr 1914 in einemoffiziellen Schreibenmit demgewichtigen Briefkopf des Leipziger Verlagshauses den Empfänger um dessenMitarbeit an einer vom französischen Verleger autorisierten deutschen Gesamtausgabe der Gedichte Paul Verlaines bat.207DaSchaukalnicht reagierte,wiederholteZweig ineinemweniger formellen SchreibenseinAnliegen: SehrverehrterHerrDr.ZumeinemBedauern ist sowohlmeinealsdes Insel-VerlagsAuffor- derung, an unserer großen Verlaine Ausgabe mitzuarbeiten, ohne Antwort geblieben. Ichmöchteheutenurnoch sagen,wie leid esmir täte,wennwir Ihre so schönenÜbertra- gungenbeidiesemWerkeentbehrenmüßtenundwiewichtigesdochfürdieseÜbertragun- gen selbstwäre, daß sie in dieser FormeinemweitenKreise vermitteltwürden. Der Insel- Verlag hat vondem französischenVerleger alle Rechte auf die einzelnenWerkeVerlaines sowiedieAusgabeeinerAnthologie erworben, sodaßausserdenschonbestehendeneine neuebis [Wortdurchgestrichen]Ablaufder gesetzlichenSchutzfrist nichtmehrerscheinen 206 Brief Zweigs an Hesse, 1. November 1903, in: Michels (Hg.): Hermann Hesse – Stefan Zweig:Briefwechsel,S. 24. 207 Brief Zweigs beziehungsweise des Insel-Verlags anSchaukal, datiert auf Frühling 1914, S-NL,WB. 4 Übersetzer-undAnthologiennetzwerke 143
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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