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Eisenbahnverkehrs zurückging, zwischenSalzburgundWienhinundherge-
schickt.217 Ein Jahr später erschienen imInsel-VerlagdieGesammeltenWerke
PaulVerlainesmitGedichtübertragungendesWienerLyrikers.
Zweig erwähnte auch nochmal Schaukals Projekt einer eigenständigen,
deutschsprachigen Anthologie mit Gedichten des französischen Poeten. Doch
scheinbar hatte Stefan George die Veröffentlichung verhindert.218 Zweigmeinte
beiläufig am Ende einer Postkarte vom 13. Mai 1921: „Georges Übertragungen
liebe ich sehr, dochweiß ich, dass er beharrlich ist, Ihren antologischen [sic!]
Nachdruckzuversagen.MitdenbestenEmpfehlungen. IhrsehrergebenerStefan
Zweig.“219
Im Feld der literarischen Übersetzungen speziell Verlaines bestand ein
nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential. Bereits 1894 war Schaukal mit
dem Vorschlag einer gemeinsamen Verlaine-Ausgabe an Dehmel herangetre-
ten,wurdevondiesemaberbrüskabgewiesen.220DichterwieRilke,Hesseund
eben Zweig wagten sich an Nachdichtungen des französischen Symbolisten,
wobei der Kreis seiner Verehrer noch viel weiter zu fassen ist; gemeinsammit
DehmelundGeorge zählte Schaukal zuden frühestenVerlaine-Übersetzern im
deutschenSprachraum.221 Hinzu kommt, dass Schaukal StefanGeorges eigene
Lyrik zwar schätzte, dessen Übertragungen aus den Jahren 1901 (Die Blumen
des Bösen) und 1905 (Zeitgenössische Dichter) bei ihm aber aufmassive Kritik
gestoßenwaren.222
Schaukal konnte seine Position im literarischen Feld nicht nur als Kriti-
ker undRezensent, sondern auchalsÜbersetzer ausdemFranzösischen stär-
ken. Sein 1906bei Oesterheld inBerlin veröffentlichter BandNachdichtungen
vereinte nebenVerlainesVersen auchGedichte deswiederentdeckten franzö-
sisch-kubanischenSchriftstellers José-Maria deHeredia (1803–1839).
Zu Schaukals 50. Geburtstag rühmte Johann Černy in der Reichspost vor
allemdessenLeistungenalsÜbersetzer:„Daß inSchaukalsNachdichtungenaus
demFranzösischen [...] diedeutscheUebersetzungskunst ihrenhöchstenGipfel
217 Vgl.denBriefZweigsanSchaukal, 13.Mai 1921,S-NL,WB.
218Wiegenau, ließsichaufgrundder lückenhaftenQuellenlagenichtmehrermitteln.
219 PostkarteZweigsanSchaukal, 13.Mai 1921,S-NL,WB.
220 Vgl.denBriefDehmelsanSchaukal, 22. Juni 1894,S-NL,WB.
221 Siehe seineÜbertragungen „Pierrot“und „DerHimmel ist überdemDache“ in:Moderner
Musen-Almanach, Bd. 2 (1894), S. 181–182. Vgl. dazuWarum:Richard vonSchaukal als Kriti-
kerundÜbersetzerausdemFranzösischen,S. 133–135.
222 Vgl.Oesterheld:SchaukalundderGeorge-Kreis,S. 73.
148 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Titel
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Autor
- Cornelius Mitterer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 312
- Kategorien
- Weiteres Belletristik