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ziemlichungünstigenBedingungendenDruck zugesagt habe, einige derweni-
gerbekanntenAutorenmüssten jedoch„subscribieren“.238
Die Subskription, also die Übertragung des finanziellen Risikos von Ver-
lagsseiteaufdieAutoren (oderprivateFördergeber)hatte sich inderZwischen-
kriegszeit zur gängigen Praxis vor allem für die ertragsärmere Gattung Lyrik
entwickelt. Der Kunsthistoriker und Geschäftsführer des Krystall-Verlages,
Franz Juraschek(1895–1959),erläutertdieseunternehmerischeVorgehensweise
folgendermaßen: die Autoren sicherten dem Verlag Vorausbestellungen auf
ihreWerkezu,
die 2/3 der Verlagskosten– die Verlagsregie nicht gerechnet– deckenmußten.Wer die
SchwierigkeitenLyrik zuvertreibenkennt,weiß, daßdieseVerlagstätigkeit nicht aufGe-
winn bedacht war, sondern einerseits einer kulturellen Aufgabe dienen sollte, anderer-
seits den Namen des Verlages bekanntzumachen berufen war. Beides ist in gewissen
Grenzen, die die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Systemzeit bedingten,
auchgelungen.239
InAnbetracht des nicht geringen finanziellenRisikos stimmte Sacher die Liste
der Beiträger mit dem in seinen Augen erfahrenen Lyriker Schaukal ab. Von
VerlagsseitewurdederHerausgeberwiederumaufgefordert, Gedichte vonOtto
Basilaufzunehmen.
ImMai 1930wurde die Anthologie schließlich bei der Verlags-Druckerei
Jahoda&Siegel in Auftrag gegeben, die bereits in zweiter Generation für die
VervielfältigungunddenVertriebderFackelverantwortlichzeichnete.240
NachderVeröffentlichungderLyrik-AnthologiewandtesichSachermitsei-
ner Idee, einenDichterzirkel zu gründen, erstmals an Schaukal. In einemmit
„Bittestrengvertraulich!“überschriebenenBrief führteerseinePläneaus:
Ichgeheebendaran,einenneuenBuchtyp,dasGruppenbuch,zuschaffen.–8 jungöster-
reichischeLyriker vereinigensichzueinerdauerndenArbeitsgruppe,die in regelmäßiger
Wiederkehr (2 oder 3 Jahre) ihr Gruppenbuch vorlegt [. . .]. In unseremkollektivistischen
Zeitalter ist esmitderEinzelgängerei vorbei [. . .].AlsEinzelgängerwarenwir Jungen,wir
30- und 40jährigen, wir verfluchte Kriegsgeneration, einfach zum völligen Untergange
verdammt,wirzwischenzweiGeschlechterfolgenbeinaheZerriebenen.241
und Hans Rosenkranz im Berliner Spaeth-Verlag herausgegebene Anthologie jüngster Prosa
(1927).
238 BriefSachersanSchaukal, 1.März1930,S-NL,WB.
239 Zit.nachMurrayG.Hall:Krystall-Verlag (Wien-Leipzig). In:Hall:ÖsterreichischeVerlags-
geschichte. Bd. 2, 1985. Online: http://verlagsgeschichte.murrayhall.com/?page_id=348 (zu-
letztaufgerufenam31. Juli 2019).
240 Vgl.denBriefSachersanSchaukal, 22.März1930,S-NL,WB.
241 BriefSachersanSchaukal, 12. Juli 1930,S-NL,WB.
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Titel
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Autor
- Cornelius Mitterer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 312
- Kategorien
- Weiteres Belletristik