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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Seite - 162 -
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schließlich durchsetzte.273 „Die konservative Nachfolge-Secession wurde er- folgreich fortgeführt–allerdings füreinanderesPublikum.“274 DerGründungsakt dieser neuenAusrichtungwar die imNovember 1905 er- öffnete „Ausstellung moderner religiöser Kunst“, die unter Richard Kraliks (1852–1934) Schirmherrschaft standundanderüberwiegendkatholischeKünst- ler beteiligt waren.275 Das neue konservative Kunstverständnis, das Präsident Christian LudwigMartin verkörperte, erklärt, warumSchaukal gerade dort eine BühnefürseinespärlichgehaltenenAuftrittebereitetwurde. AloisEssigmannwar jedenfallsbegeistert, dassSchaukaleineDichterlesung inderSecessionplante.276DerFreundsollte andieÖffentlichkeit treten,umdas Etikett des „esoterischen“Dichters zu korrigieren, so Essigmann an Schaukal: „UmeinenRuf zu habenwie etwaGerhart Hauptmann,müßten Sie– grob ge- sprochen – zehnmal mehr leisten als er, der Dramatiker! Für solche Nuancen aberhabendie ‚Vermittler‘zwischenKünstlerundPublikumkeinenSinn.“277 Als ‚Vermittler‘ bezeichnete Essigmann die den Literaturbetrieb ökono- misch verwaltenden Akteure, also Verleger, Redakteure und die Vorsitzenden künstlerischer Vereinigungen, die –wie er im selben Brief fortfährt – die Ge- schmacksbedürfnisse der „Masse“ imBlick behaltenmüssten. Doch eben jene Rücksicht auf eine Käuferklientel war Schaukal sein gesamtes dichterisches Leben lang zuwider; beim Publikum liege die Schuld am sowohl inhaltlichen wie formalenNiedergangdesBuches, soeinBefundausdemJahr1904: DasBedürfnisnachguterBuchware fehlt inder Zeit derLeihbibliothekenundTagesblät- ter.DasBuch istnichtmehrderehrlicheFreunddesstillenLesers. SchreiendeTitelbilder räkelnsich indenAuslagfenstern. [. . .]Die teurenLuxusbändesind fürdieMenschenda, die schon sowie so umdasWesen der Buchschönheit wissen. Für die anderen arbeitet dieDampfpressenach „bewährter“Schablone. Ist es dennbesser bestellt umArtikel des Hausbedarfs?Geschmack istheutemehrdenn jebeidenWenigen.278 DieSituationdürftesichknappzwei Jahrzehntespäter inSchaukalsAugenkaum gebessert haben.DochEssigmann insistierte, dass er sichdenReklamemaßnah- men nicht widersetzen sollte, und er erteilte demFreund eine väterliche Rüge: Als er Karten für die Dichterlesung imKonzertbüro Gronner besorgte, stellte er fest, dass einKameradausKriegszeiten InhaberundHauptverantwortlicher des 273 Vgl.Timms:DynamikderKreise,S.84–101. 274 Timms:DynamikderKreise,S. 101. 275 Vgl.Timms:DynamikderKreise,S. 101. 276 Vgl.denBriefEssigmannsanSchaukal, 26.Dezember1921,S-NL,WB. 277 BriefEssigmannsanSchaukal, 25. Januar1922,S-NL,WB. 278 Schaukal:DasBuch,S. 2. 162 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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