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schließlich durchsetzte.273 „Die konservative Nachfolge-Secession wurde er-
folgreich fortgeführt–allerdings füreinanderesPublikum.“274
DerGründungsakt dieser neuenAusrichtungwar die imNovember 1905 er-
öffnete „Ausstellung moderner religiöser Kunst“, die unter Richard Kraliks
(1852–1934) Schirmherrschaft standundanderüberwiegendkatholischeKünst-
ler beteiligt waren.275 Das neue konservative Kunstverständnis, das Präsident
Christian LudwigMartin verkörperte, erklärt, warumSchaukal gerade dort eine
BühnefürseinespärlichgehaltenenAuftrittebereitetwurde.
AloisEssigmannwar jedenfallsbegeistert, dassSchaukaleineDichterlesung
inderSecessionplante.276DerFreundsollte andieÖffentlichkeit treten,umdas
Etikett des „esoterischen“Dichters zu korrigieren, so Essigmann an Schaukal:
„UmeinenRuf zu habenwie etwaGerhart Hauptmann,müßten Sie– grob ge-
sprochen – zehnmal mehr leisten als er, der Dramatiker! Für solche Nuancen
aberhabendie ‚Vermittler‘zwischenKünstlerundPublikumkeinenSinn.“277
Als ‚Vermittler‘ bezeichnete Essigmann die den Literaturbetrieb ökono-
misch verwaltenden Akteure, also Verleger, Redakteure und die Vorsitzenden
künstlerischer Vereinigungen, die –wie er im selben Brief fortfährt – die Ge-
schmacksbedürfnisse der „Masse“ imBlick behaltenmüssten. Doch eben jene
Rücksicht auf eine Käuferklientel war Schaukal sein gesamtes dichterisches
Leben lang zuwider; beim Publikum liege die Schuld am sowohl inhaltlichen
wie formalenNiedergangdesBuches, soeinBefundausdemJahr1904:
DasBedürfnisnachguterBuchware fehlt inder Zeit derLeihbibliothekenundTagesblät-
ter.DasBuch istnichtmehrderehrlicheFreunddesstillenLesers. SchreiendeTitelbilder
räkelnsich indenAuslagfenstern. [. . .]Die teurenLuxusbändesind fürdieMenschenda,
die schon sowie so umdasWesen der Buchschönheit wissen. Für die anderen arbeitet
dieDampfpressenach „bewährter“Schablone. Ist es dennbesser bestellt umArtikel des
Hausbedarfs?Geschmack istheutemehrdenn jebeidenWenigen.278
DieSituationdürftesichknappzwei Jahrzehntespäter inSchaukalsAugenkaum
gebessert haben.DochEssigmann insistierte, dass er sichdenReklamemaßnah-
men nicht widersetzen sollte, und er erteilte demFreund eine väterliche Rüge:
Als er Karten für die Dichterlesung imKonzertbüro Gronner besorgte, stellte er
fest, dass einKameradausKriegszeiten InhaberundHauptverantwortlicher des
273 Vgl.Timms:DynamikderKreise,S.84–101.
274 Timms:DynamikderKreise,S. 101.
275 Vgl.Timms:DynamikderKreise,S. 101.
276 Vgl.denBriefEssigmannsanSchaukal, 26.Dezember1921,S-NL,WB.
277 BriefEssigmannsanSchaukal, 25. Januar1922,S-NL,WB.
278 Schaukal:DasBuch,S. 2.
162 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Titel
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Autor
- Cornelius Mitterer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 312
- Kategorien
- Weiteres Belletristik