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an.Kralik versicherte Schaukal 1920auf dessenNachfrage, einFeuilletonüber
ihn inderReichspostveröffentlichen zuwollen,299was sichaber offensichtlich
zerschlug. Erst 1926 publizierte ein Autor mit dem Pseudonym ‚X.Y.Z.‘ in der
Reichspost eine „Studie“ über Schaukal.300 Schon zwei Jahre zuvor war seine
Person anlässlich seines fünfzigsten Geburtstages von seinem Kontaktmann
ausdemböhmisch-mährischenNeuromantik-Netzwerk, JohannČerny, imBlatt
gewürdigtworden.301 Schaukal selbst publizierte keine Beiträge in derReichs-
post, doch die Zeitung erwähnte ihn in den 1920er Jahren regelmäßig undbe-
sprachseineWerkepositiv.
Im katholisch-konservativenNetzwerkWienswar Schaukal als Vortragen-
der, etwa für den Verband österreichischer Schriftsteller und Schriftstellerin-
nen,wie auchalsBeiträger für die einschlägigePresse aktiv. Sohielt er am22.
und 29. März sowie am 5. April 1930 im erzbischöflichen Palais Dichterlesun-
gen.Diese fandenaufVeranlassungvonKardinal Piffl statt, der zwischen 1913
und 1932Präsident der Leo-Gesellschaftwar.302 „DerDichter, der sichnur sehr
selten inderOeffentlichkeit vernehmen läßt“, lese amerstenAbendProsa, am
zweitenLyrikundzuletztausGoethesFaust, sodieAnkündigung inderReichs-
post.303 Auch dieWiener Zeitung berichtete über einen der selten gewordenen
öffentlichenAuftritte Schaukals,wobei vor allemseinePerson imZentrumdes
Artikels stand:„RichardSchaukalsPersönlichkeit entspricht [ . . . ]derkünstler-
ischenWesensart derWerke; auch ihm selbst ist einsame, für sich stehende,
fastherbeundabweisendeArt angeboren.Wie seineSchriften, repräsentiert er
selbstAdelstyp.“Schaukal sei ein feiner, aberkeinwirkungsvollerVorleser, al-
lerdingsentbehreder improvisierendeVortragsstil nicht einergewissen„geisti-
genIntensität.“304
Eine sowohl literarische als auch ideologisch-politische Verbindung be-
stand,wieerwähnt, zuFriedrichSchreyvogl,der seit 1924der literarischenSek-
tion der Österreichischen Leo-Gesellschaft vorstand und als ihr Obmann auf
Kralik folgte.ErstandmitdemDichter füreinenam21.März1933abgehaltenen
Leseabend inKontakt, der imSaal desÖsterreichischenBüchereiverbandes im
299 Vgl.PostkarteKraliksanSchaukal,9.Oktober 1920,S-NL,WB.
300 Vgl.X.Y.Z.:RichardSchaukal.EineStudieübereinösterreichischesDichterschaffen.
301 Černy:RichardSchaukal.Zuseinem50.Geburtstage,S.5.
302 Vgl. Czeike: [Art.] FriedrichGustav Piffl. In: Historisches LexikonWien. Online: https://
www.geschichtewiki.wien.gv.at/Friedrich_Gustav_Piffl (zuletztaufgerufenam31. Juli 2019).
303 [Anon.]: Vorlesungen von Richard v. Schaukal. In: Reichspost, Nr. 70/1930 (21. März
1930),S.5.
304 E. R.: Theater und Kunst. Vorlesung Dr. Richard Schaukal. In:Wiener Zeitung, Nr. 73/
1930(28.März1930),S. 5.
168 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Titel
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Autor
- Cornelius Mitterer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 312
- Kategorien
- Weiteres Belletristik