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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Seite - 170 -
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In den Tagen, da Sie inWienwaren, ist Richard von Schaukal dort gestorben. Gestern erhielt ich erst die Todesanzeige. SeinHinscheidengehtmir sehrnahe. ImSeptember ist FranzBlei inNewYorkgestorben.Beimir gibt esnuneineGeisterversammlungehemali- ger Freunde. Hofmannsthal ist mit dabei. Die drei, die sich kaum sahen, nur zum Teil mochten,kommennunbeimir zusammen,aucheinem,der sozusagennichtmehr ist. Ei- gentlich ein Karambol von vier Kugeln, jede glatt und rund, die sich an einem Punkte vielleicht berühren, nur umsich zu stoßen, abzustoßen.Was für eine Zeit, die so inUn- vereinbareszerfällt.309 In den letzten Lebensjahrenwar Schaukal nurmehr imWiener Volksbildungs- hausUrania(1909eröffnet)zusehengewesen,dassichinderZwischenkriegszeit zu einemwesentlichenpolitisch-ideologischenund literarischenResonanzraum etabliert hatte.DieGenehmigung zurErrichtungdes rundturmartigenGebäudes ist als symbolischeMaßnahmedes bürgerlich-konservativenWiener Gemeinde- rats zuwerten. Seit 1904 bemühten sich sozialistische Akteurewie David Josef Bach (1874–1947)undViktorAdler (1852–1918)umeinenschöpferischenGegen- entwurf zudenbürgerlichenHegemoniebestrebungen imKultur- undBildungs- sektor. Dabei konzentrierte sich die Arbeiterbewegung auch auf kulturelle Initiativen wie den Ausbau der Volkshochschulen. 1905 eröffnete, wie bereits erwähnt, im Ottakringer Volksheim die erste Abendvolkshochschule Europas, wenige Jahre später avancierte die Urania zu ihrem volksbildnerischenAntipo- den.310 Dort fand am 3. Dezember 1941 auf Vermittlung von Leopold Liegler (1882–1949)einerder letztenöffentlichenAuftritteSchaukalsstatt.DerLiteratur- kritikerundFreundvonKarlKrauszählte inseinerspäterenLebensphasezuden christlichgeprägtenDichternundsympathisierte auchmitRichardSchaukal. Er hielt die Einleitung zudessenDichterlesung inderUraniaundverfasste den im Mitteilungsblatt der Schaukal-Gesellschaft abgedrucktenNachruf auf denDich- ter. Ein zweiterVortragsabendmit Schaukalwar zunächst fürMai 1942geplant, aufgrunddesbefürchtetenPublikumsmangels jedochnicht realisiertworden.311 DieRichard-Schaukal-Gesellschaft veranstaltete regelmäßigVorleseabende in der Urania.312 Sie wurde am 25. November 1929 ins Leben gerufen, umden (angeblich) inDeutschlandetabliertenDichterauch inÖsterreicheiner„breiten Masse bekannt zumachen.“313 Der Gründungsvorstand bestand ausHans von 309 Brief Kestraneks an Joseph Bernhart aus demHerbst 1942, abgedruckt in: Der Brenner, H. 18 (1954),S. 197–216,hierS. 205. 310 Vgl.Timms:DynamikderKreise,S. 17–18. 311 Vgl.dieBriefeLieglersanSchaukal, 7.November1941und20.März1942,S-NL,WB. 312 Vgl.denBriefWaltherHorwitz’anSchaukal,8.März1941,S-NL,WB. 313 [Anon.]: Gründung einer Richard-Schaukal-Gesellschaft. In:Wiener Zeitung,Nr. 273/1929 (27.November1929),S.6. 170 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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