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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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SchaukalsNetzwerkaktivitätenstießen inBezugaufdieNeuromantik/Hoff- mann-AkteuregeradedeshalbaufWiderstand,weil er sichdisziplinärbreitauf- stellte und in übergreifendenFeldern etablierenwollte– also in der Literatur, PhilologieundKritik–,dievonanderenAkteurenbesetztwaren. Schaukals Tätigkeiten in jenen Bereichen erbrachten ökonomische wie symbolische Vorteile (vor allem als Literaturkritiker), haben ihm aber auch Kapitalverluste eingetragen, wie Arthur Schurig seinem Briefpartner zu ver- stehen gab. Am28.Oktober 1907 erkundigte er sich bei Schaukal: „Was folgt auf Balthesser? Es ist ein prächtiges Zeichen, daß lange von Ihnennichts er- schienen ist. Daswar einer Ihrer größtenFehler, dieses zu viel. Auch scheint esmir,arbeitenSieweniger fürRevüenundTagesblätter.Das ist auchgünstig fürSie!“415 Ein Jahr späterwurdeder TondesKontaktmannes zum Insel-Verlagunge- haltener. Schurig hatte sicher nicht unrecht, als er dem um Vermittlung an- suchendenSchaukalvorhielt: Im InselverlaghatmangegenSie intrigiert, höre ich.Daran ist nichtKippenberg schuld. Das ist ein sehr feiner, charaktervollerMensch. Erweiß,was erwill. Die Schuld liegtan Ihnen selber, an Ihrer Art zu kritisieren. Ich habe Ihnen sehr freundschaftlich schon oft gesagt: entweder ist manDichter – oder Kritiker. Niemals verträgt sich beides. Und ge- rade daß Sie das nicht einsehen, daß Sie nach allen Seiten den Kampfhahnmachen, – dasverdirbt IhnendasTerrainundwird Ihnen immermehrschaden.416 Schurig riet Schaukal abschließend, er solle seine allzu impressionistische „nutz- lose kritische Tätigkeit lassen“, da sie nur nochmehr „unbeugsameFeinde“ auf denPlanrufe.417 DieAktivitätendesNeuromantik-NetzwerkeswarendesWeiterennicht allein aufWien oder Prag begrenzt. Bis zumErstenWeltkrieg erfolgte der gegenseitige ästhetischeEinflussundInformationsaustauschzwarhauptsächlichzwischenden deutschsprachigenLiteratenundForschernausPrag,BrünnundWien.Nachdem Ende der Donaumonarchie verlagerte sich der Transfer aber von den tschechi- schen Städten nach Deutschland. Die neuromantische Ästhetik, die bis 1918 im StädtedreieckPrag, Brünn,Wien zirkulierte, hörte inFolgederneuenpolitischen Grenzziehungen nicht etwa auf zu existieren, sondern erzeugte ein mythisches Bild von Alt-Prag, Alt-Brünn und Alt-Wien, das zu gemeinsamen geistigen und sinnstiftendenKonstituentenavancierte.DiesenProzesskönntemanmitRückgriff 415 BriefSchurigsanSchaukal, 28.Oktober 1907,S-NL,WB. 416 Brief Schurigs an Schaukal, 11. November 1908, S-NL,WB; Hervorh. imOrig. als Unter- streichung. 417 BriefSchurigsanSchaukal, 11.November1908,S-NL,WB. 7 PositionenundNetzwerkederNeuromantik 195
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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