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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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Kritik passt, dass Schaukal seinemGedichtbandTristia (1898) als Spitze gegen das JungeÖsterreich folgendeWidmungvorausschickte:„FerdinandvonSaar / ein jungerÖsterreicher /alsZeichen/seinerEhrfurchtundLiebe“.432 Schaukals Aussagen können auch hier wieder als unbewusste Selbstan- klagegelesenwerden,warerdochebensomehrsprachigerBildungsbürgerund Nachdichter französischer sowie englischer Werke und somit ein Akteur des Kulturtransfers. Bereits als Gymnasiast veröffentlichte Schaukal manierierte Verse, als „frühgereifter“Poet findet er Erwähnung in derDeutsch-Österreichi- schen Literaturgeschichte von Nagl, Zeidler und Castle, die ihn 1937 als den erstenmährischenDichterderModernebezeichnet.433 8.2 Abfuhrvom ‚Gründer‘ Jung-Wiens:SchaukalundHermannBahr Drei Jahre vor der Veröffentlichungdes Saar-Aufsatzes, in demSchaukal Bahr direkt attackierte, hatte er selbst noch die Nähe zum Literaturvermittler ge- sucht. Hermann Bahr war bis Mitte der 1890er Jahre damit beschäftigt, sein „Projekt einer autonomenösterreichischenLiteratur“ imTransfermit der fran- zösischen Literatur und in Abgrenzung zumBerliner Naturalismus zu etablie- ren.434 Er datierte das Aufkommen der Bezeichnung Jung-Österreich für „eine Gruppe, vielleicht eine Schule von jungen, meistWiener Litteraten“ auf circa 1890,435 also auf das Jahr, in demer zusammenmit EduardMichael Kafka die ZeitschriftModerne Dichtung ins Leben gerufen hatte. DieModerne Dichtung war dem Naturalismus deutscher Prägung verpflichtet und setzte die ‚neue‘ Linie der österreichischen Literatur unter anderemmit dempoetischenRealis- mus inBezug.436 ImJuli-Heft kündigteKafkaan,dass„dieösterreichischeDich- terjugend von heute im vorliegenden Heft zum erstenmal in geschlossener 432 Schaukal:Tristia.NeueGedichteausdenJahren1897–98.Leipzig1898. 433 Eduard Castle, JohannWillibald Nagl und Jakob Zeidler (Hg.): Deutsch-Österreichische Literaturgeschichte.Bd.4:Von1890bis 1918.Wien1937,S. 1372. 434 Norbert Bachleitner: Eine soziologische Theorie des literarischenTransfers. Erläutert am BeispielHermannBahrs. In: Ent-grenzteRäume.Kulturelle Transfers um1900und inderGe- genwart.Hg.vonHelgaMitterbauerundKatharinaScherke.Wien2005,S. 147–156,hierS. 154. 435 Bahr:Das jungeOesterreich. In:KS.Bd. IV:StudienzurKritikderModerne.Weimar2006, S.70–89,hierS. 75. 436 Vgl.KonradHeumann:Was istmodern?HofmannsthalsPublikationstaktik inEduardMi- chael Kafkas Zeitschrift „Moderne Dichtung“. In: Tradition in der Literatur der Wiener Mo- derne. Hg. vonWilhelmHemecker, CorneliusMitterer undDavid Österle unterMitarbeit von GregorSchima.Berlin/Boston2017,S. 7–37. 8 WienerNetzwerke 199
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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