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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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nannte er denVorwurf der Arroganz sowie denUmstand, dass „dieMehrzahl dieserKreise jüdischeKlique“sei,diesichgegenallesNeuezurWehrsetze,wo- hingegen die „älteren Blätter“ seine Texte nicht druckten, da sie ihn zu den „verabscheuungswürdigen ‚Modernen‘“zählten.457 Richard Schaukal reagierte auf die ihm entgegengebrachte Ablehnung, indemervonsichdasBilddesautonomenundgenialenEinzelgängers inmitten eines desolaten, korrupten und verwerflichen Literaturbetriebes lancierte. Als unmoralischer Ort per se galt manchen Kritikern das Kaffeehaus. Es bedeute, so der 1891 von EdmundWengraf vorgebrachte Appell, den „Ruin derWiener Gesellschaft“, „verschlinge“ Bildung sowie Intelligenz.458 Hinzu kam ein von BertholdViertel (1885–1953) formulierterKritikpunkt,derauchfürdenstandes- bewusstenSchaukalvonBedeutungwar:Das„Caféwürfelt dieStände inunor- dentlicherWeisezusammen.“459 Dass Schaukal während seiner Studienzeit inWien das künstlerische und gesellschaftlicheLebenverschiedenerKreise kennengelernt hatte undauch im Café Griensteidl verkehrte, beschreibt er 1934 in seiner autobiographischen Selbstdarstellung.460SchaukalsBegleiterwährenddererstenAusflüge inWiens Künstlerwelt war Karl Kraus, der sich spätermit demPamphletDie demolirte Litteratur (1897)vondenBesucherndesKaffeehausesdistanzierte. IneinemBriefvom2.Mai1901anArthurSchnitzler schildertedervoneiner Reise nachMünchen zurückgekehrte Schaukal, wie ihn die bayerischeHaupt- stadtanseineStudentenzeitundandasFlairdesberüchtigtenWienerCaféser- innert habe: „Ich war an die ekligsten Zeiten des Café Griensteidl gemahnt worden,wohinmichundeinige gleichalterige Juristen 1892u. 1893derDrang, dieWiener ‚Größen‘ kennen zu lernen, ein ernster Provinzgymnasiastendrang, geführthatte.“461 In der Selbstdarstellung urteilte er dann über das in der Zwischenzeit ‚de- molirte‘ Kaffeehaus deutlichmilder. Immerhin räumte Schaukal rückblickend ein, imHerbst 1892 dort „mit der lebendigenLiteratur zuerst in Berührung ge- langt“ zu sein.462 Seine und, wie Schaukal von sich auf Kraus schloss, auch dessen Erwartungen an das Café Griensteidl wurden enttäuscht, die Empfin- dung des „Wunderbaren“, das in der Kaffeehausluft „schwebte“, kehrte sich 457 Zit.nachGirardi (Hg.):ThomasMann.BriefeanRichardSchaukal,S. 155–156. 458Wengraf:KaffeehausundLiteratur. 459 BriefViertelsanHermannWlach, 1908, in:Greve/Volke (Hg.): Jugend inWien,S.93. 460 Schaukal:BeiträgezueinerSelbstdarstellung,S. 13. 461 Zit. nachUrbach (Hg.): Richard Schaukal–Arthur Schnitzler: Briefwechsel (1900–1902), S. 20. 462 Schaukal:BeiträgezueinerSelbstdarstellung,S.31. 204 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Titel
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Autor
Cornelius Mitterer
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
312
Kategorien
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