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Schnitzlermit „Anatoldie Charakteristik seinesKreises gelungen.“494Dagegen
notiertederVerfasserdesAnatol-Zyklusam20.März 1902 lapidar in seinTage-
buch:„Schaukal’sSnobismus.“495AlsSnob,einModeausdruckderZeit,dessen
sichRichardSchaukalebensogernundhäufigbediente,bezeichneteSchnitzler
auch Hugo von Hofmannsthal.496 „Der Snob ist ein Mensch, der scheinbare
Selbsterhöhung auf demWeg tatsächlicher Selbsterniedrigung anstrebt. Er ist
imeigentlichenSinnederMasochistderGesellschaftsordnung“, soeinAphoris-
musvonSchnitzler.497AlsSnobverstandendieDichterdenaffektiertenDandy,
einen für das Gesellschaftsgefüge abkömmlichen Schöngeist, womit sie letzt-
lichaufsichselbstanspielten.
Der 26-jährigeSchaukal versuchte imHerbst 1900Anschluss andiedichter-
ischenKreiseWiens zu findenundhatte Schnitzler ausMährisch-Weißkirchen,
wohin er 1899 als Verwaltungsbeamter berufen wordenwar, seinen im selben
Jahr erschienenen Lyrikband Tage und Träume zukommen lassen. Schnitzler
zeigte sich von den „wunderschönen Landschaftsstimmungen“ angetan und
ermunterte den jüngerenDichter zuweiterenBüchersendungen.498 Auchdieser
nun folgende Briefwechsel gestattet Einblicke in Schaukals dichterisches Sen-
dungsbewusstsein und in sein bisweilenungeschicktesVorgehenbei der Suche
nach künstlerischer Teilhabe. Schaukal bestürmte den zwölf Jahre älteren Kolle-
gen ausWienmit langen Erläuterungen seines Kunstempfindens, die sichmeist
anhand negativer Äußerungen zu Schnitzler vertrauten, sogar freundschaftlich
verbundenenSchriftstellernwieBahr,Beer-HofmannundHofmannsthalentluden.
Als „Bibliophiler“ erbat Schaukalwenig schüchterndie Zusendungeines Exemp-
lars der anfangsnur in geringerAuflage von 200Stück inPrivatdruck erschiene-
nenReigen-Ausgabe, die er dann tatsächlich auch postwendend erhielt.499 Seine
BriefedokumentiereneinevonNeid imprägnierteAuffassungüberdie„häßlichen
Literatentage“derGegenwart. Ziel seiner Invektivenwar zunächstder 1900veröf-
fentlichteRomanRenateFuchsvon JakobWassermann,denSchaukal als „Litera-
494 Zit.nachZohner:CaféGriensteidl,S. 1744.
495 Schnitzler:Tagebuch.Bd.: 1893–1902,S.366.
496 Vgl.HartmutScheible:ArthurSchnitzler inSelbstzeugnissenundBilddokumenten.Rein-
bekbeiHamburg1976,S. 116.
497 Arthur Schnitzler: Buch der Sprüche und Bedenken. Aphorismen und Fragmente.Wien
1927,S.99.
498 Brief Schnitzlers an Schaukal, 5. November 1900, in: Urbach (Hg.): Richard Schaukal–
ArthurSchnitzler:Briefwechsel (1900–1902),S. 18 (AS1).
499 Brief Schaukals anSchnitzler, 19.Mai 1901, in:Urbach (Hg.): RichardSchaukal–Arthur
Schnitzler:Briefwechsel (1900–1902),S. 30 (RS6).
212 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Titel
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Autor
- Cornelius Mitterer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 312
- Kategorien
- Weiteres Belletristik